Fotografien & Texte

Hessen 2021


30. August - 2. September

Montag 17:05, der Lokführerstreik ist verkündet. 17:10, wir haben einen Platz für uns und die Räder mit dem Flixbus. Mist, das falsche Datum. Neuer Versuch. Eine Verbindung nach Wetzlar, aber Abfahrt um 21:15 und Ankunft um 4:05. Nun ja, in dieser Situation darf man nicht wählerisch sein. Kurz danach war der Bus ausgebucht. Der Abend in Balduinstein fällt natürlich aus, schade. Bärbel konnte das Hotel unentgeltlich kündigen. Vielleicht das nächste Mal. Bärbel hat auch Mittwoch das Geld für die Zugfahrt zurückbekommen. Zeitig am ZOB, der Bus stand schon 50 Minuten vorher bereit. Die Fahrer sprachen kein Wort Deutsch und versuchten es auf Englisch. Ging aber auch nicht richtig. Abfahrt auf die Minute pünktlich. In Leipzig stiegen Völkerscharen ein. Noch ein Zwischenstopp in Jena.


3. September

Wetzlar bei Nacht


Warten auf die Öffnung des Hotels


Morgens um 4:20 Uhr angekommen. Dann fuhr der Bus weiter nach Paris.  Das erste Mal, dass ich mich über eine Verspätung gefreut habe. Tote Hose in Wetzlar. Kein Bahnhofsgebäude, also langsam, mit den Rädern in Richtung Hotel geschlendert. Noch 45 Minuten auf die Öffnung der Rezeption gewartet. Dann öffnete eine umständliche Tusse. Inzwischen muss alles in Deutschland billig sein. Selbst in einer Rezeption braucht man kein richtiges Deutsch mehr. Schade, dass man den Gast zum Einchecken nicht mal kurz nach Süd-Ost-Asien in ein Callcenter beamen kann. Gegen einen Aufpreis von 15 € konnten wir unser Zimmer schon beziehen. Wenn nur nicht die ganze Prozedur eine dreiviertel Stunde gedauert hätte. Auf jeden Fall konnten wir etwas Schlaf nachholen. Dann war Friedhelm auch schon da und räumte den Tagungsraum um. Dann zu Fuß in die Stadt. Um 19 Uhr war die erste Vollversammlung. Peter Karbe der Chef-Optikentwickler von Leica hielt einen sehr technischen Vortrag.

Galerie am Dom


Haus Zum Reichsapfel


Bärbel am Oskar-Barnack-Denkmal


Friedhelm und Peter Karbe (Leica)


4. September

Tolle Stadtführung, Leica in der NS-Zeit. Sehr interessant. Ernst Leitz hat sich sehr distanziert zu den Nazis gehalten. Seine Tochter geriet sogar in die Fänge der GESTAPO. Besonderen Dank an den Stadtführer Erich Richter vom Verein Wetzlar Erinnert e. V. Hinterher längerer Schnack im Biergarten auf der Lahninsel. Nachmittags ging es dann nach Staufenberg bei Gießen. Georg Mann hat viel aus seiner beruflichen Leitz-Vergangenheit im alten Schulhaus zusammengetragen. Alles steht eng zusammen. Abends, im Hotel noch seinen Bericht über seine lange Zeit bei Leitz und Leica, speziell über die Leica-Flex und die Kooperation mit der Firma Minolta. Ein kleines Fiasko, nicht wegen Minolta, sondern weil Leica immer den japanischen Herstellern hinterherhinkte.

Teil unserer Gruppe


Stadtführer, rechts Erich Richter


Die Lahn


Leica-Ausstellung in Staufenberg


5. September

Friedhelm, Stefan Daniel (Leica)


Länger geschlafen. Dann Vortrag von Stefan Daniel von Leica über die Vergangenheit und Zukunft der Kameraentwicklung. Leider keine neue CL in Sicht. Interessante Diskussion im Anschluss. Besonders prickelnd über die „falsche" Benamung der SL, weil es schon früher eine Kamera mit ähnlicher Bezeichnung gab. Nach dem Lunch und umständlichem Auschecken mit den Rädern rauf zum Leitzpark. Friedhelm hatte dafür gesorgt, dass wir die Gebühr fürs frühe Einchecken wiederbekamen. Durch die Ausstellung über den Nürburgring im angrenzenden Wald. Dann kam die Meldung, Friedhelm hat einen platten Reifen, hinten am VW-Bus. Da wird sich unsere Abfahrt nach Marburg etwas verzögern. Die tolle Foto-Ausstellung von Steve McCurry angeschaut. Um 18 Uhr haben uns Brigitte und Friedhelm bei Ulli in Marburg abgesetzt.  Abends in den Sellhof bei Ulli gegenüber.

Bärbel im Leitz-Park


Leica-Gebäude


6. September

Ausführliches Frühstück, dann ging es Richtung Schloss und in die Oberstadt. Zurück durch den Wald und den Köhlersgrund hinauf. Um 5 Uhr ging es dann Richtung Dammühle, die wir schon seit 1971 kennen. Sehr gediegen und entsprechend teuer. Das war damals noch etwas anders. Den traditionellen Kirschwein gibt es immer noch. Abends noch 2 Gläschen Danziger Goldwasser.

Bärbel und Ulli


Klaus und Ulli


Marburger Marktplatz


7. September  67 km

Nach dem Frühstück den Köhlersgrund hinunter. Rauschen wäre tödlich. An der Elisabeth-Kirche vorbei in Richtung Cölbe, Bürgeln, Kirchhain, Stadtallendorf. Dahinter türmte sich die Rhein-Weser Wasserscheide auf, schwitz. Dann nach Neustadt mit kleiner Pause. Weiter nach Schwalmstadt. Dort haben wir das Hotel in Neukirchen angerufen. Den Radweg über die stillgelegte Eisenbahnstrecke die letzten 12 km gefahren, schon etwas matt. Schönes Zimmer bekommen, mit großer Lotter-Badewanne. Brigitte und Friedhelm angerufen, sie kommen zum Abendessen von Bad Hersfeld herüber. Laute Nacht.

Drei Tage mit dem Rad, von Marburg nach Kassel


8. September  68 km

Frühstück um 7:30, dann wollten wir an die Räder, aber der Schlüssel für das Häuschen war nicht da. Es dauerte eine Viertelstunde, dann war der Wirtssohn endlich wach, er hatte den Schlüssel in der Tasche. Es ging los, bergauf über die Ausläufer des Knüllgebirges. Danach kontinuierlich bergab bis zu Brigitte und Friedhelm. Wir waren pünktlich zu Mittag dort. 2 Stunden Pause, dann etwas umständlich aus Bad Hersfeld zum Fulda-Radweg. Die vielen Schlenker wurden uns zuviel, so dass wir auf den Radweg der Bundesstraße 27 auswichen. Sehr schön nach Rotenburg hinein. Die elektronische Hotelsuche gestaltete sich schwierig. Wir saßen aber unmittelbar vor der Touristeninformation. Dort bekamen wir einen Platz in der Pension Wagner, sehr empfehlenswert. Eingecheckt und in den Brauereigasthof im Schlosspark. Ein schönes Helles mit Würzhopfen, der immer mehr in Mode kommt. Schmeckt leicht nach Banane. Dazu eine Worscht-Platte mit Ahlewurst.

Bärbel beim Päuschen


Rotenburg an der Fulda


9. September   63 km

Nach dem Frühstück los, über die Bundesstraße. In der Gegend von Melsungen dann auf ruhigere Straßen abgebogen. In Fuldabrück in einem schönen Biergarten ein Päuschen. Dann weiter das kurze Stück nach Kassel-Wilhelmshöhe. Am Fahrkartenschalter: Was, Sie wollen heute noch nach Berlin (13:30)? Ich fühlte mich an Passau 1988 erinnert. Das ist aber gerade noch eine Vorwende-Geschichte. Da war West-Berlin noch Binnenverkehr, was immer das sein soll. Wir sollten doch hintenrum nach Berlin fahren, so die geografiefesten Bayern. Nun ja, wir bekamen diesmal einen ICE mit Fahrrad ab Fulda. Der ist aber erst um 22:23 in Südkreuz. Bis Fulda fahren wir die gerade erkämpften Kilometer wieder zurück. Sogar durch Bad Hersfeld geht es noch. Dafür sind wir heute noch in Berlin. Unser Gutschein von der zurückgegebenen Fahrt in die Südsteiermark im letzten Jahr (119 €) reichte nicht ganz. Den Biergarten Hopfenglück in Fulda gefunden, ganz und gar Coronakonform. Weiteres Chaos mit der Bahn. Geänderte Wagenreihenfolge, obwohl umgedrehte so viel deutlicher gewesen wäre. Auf dem Wagenstandsanzeiger gab es das Fahrradabteil gar nicht unter der Wagennummer. Dann noch Gleiswechsel, aber nur auf die gegenüber liegende Seite des Bahnsteigs. Pünktlich in Berlin und schnell nach Hause geradelt.