Frühjahr 2017,

von Frankfurt am Main nach Hannover

Unsere Gesamttour, türkis mit dem Rad, 540 km, rot mit dem Zug 170 km


Freitag, 7. 4.

Wie immer saß uns die Angst, zu spät zu kommen, im Nacken. Wir waren viel zu früh am Bahnhof Südkreuz. Der Zug setzte dort ein und welch ein Glück, er fährt nur freitags. Wir und noch ein E-Bike-Fahrer konnten bequem dort einsteigen und halfen uns gegenseitig. Am Hauptbahnhof und in Spandau ging es dann zur Sache, der Zug wurde proppevoll. Na, wir hatten ja unsere Plätze reserviert. Pünktlich in Frankfurt angekommen und noch eine S-Bahn früher nach Bad Vilbel bekommen. Unsere Freundin Moni hatte alles im Hotel zum Kurpark vorbereitet. Um 19:15 wurden wir von ihr zum Essen im Dorfkrug abgeholt. Ihre Tochter Susanne und die Kinder, Kati und Johannes waren schon dort. Ich bin jetzt das 5. Mal privat im Frankfurter Raum, ca. 100 Mal war ich beruflich hier. Der beste private Aufenthalt hier war, während die Mauer am 9. November 1989 aufging. Damals waren wir im Rheingau, gleich um die Ecke. Wir wurden, wegen unseres unverkennbaren Berliner Zungenschlags gefragt: „Was denn, ihr schon hier?“. Oft erzählt und immer wieder schön.

Samstag, 8.4.

Lange geschlafen. Da das Wetter bedeckt war, sind wir mit dem Bus nach Frankfurt hinein gefahren und erst mal ins Schirn-Museum in die Magritte-Ausstellung. Magritte ist ein altmeisterlicher Maler. Wirklich witzige Bilder, mit aberwitzigen Titeln. Es war knackevoll. Danach am Main entlang über einen Flohmarkt mit vielen, wahrscheinlich geklauten Fahrrädern. Es waren tolle Renner dabei. Ein Päuschen auf einer Bank, dann an der Paulskirche vorbei zur Zeil. Das Schneiderhaus, mit seiner schönen Aussichtsterrasse, ist abgerissen. Ich habe es durch meinen Freund Christian, Lehrer an unserer Flugsicherungsakademie kennengelernt. Schneider, der Baulöwe der Achtziger und Neunziger, hatte alle Politiker in der Hand. Mit der S-Bahn zurück nach Bad Vilbel und um 17 Uhr zu Monis Geburtstagsfeier. Ich kenne inzwischen alle Freunde und Verwandten. Gutes Essen und Trinken.


Frankfurter Bankenviertel vom Eisernen Steg aus
Bärbel mit Rennradtraum


Sonntag,  9.4.

Morgens entlang der Nidda durch den Kurpark gewandert. An der Burg gab es Enten und Bisamratten. Zutrauliche Bisamratten habe ich noch nie gesehen, aber Möhrchen machen schon einiges möglich. Auf dem Rückweg konnten wir ins Gebäude des Römermosaiks. Kannten wir zwar schon, ist aber immer wieder beeindruckend. Es ist leider eine Kopie, das Original sieht man in Darmstadt. Nachmittags mit Moni durch die Altstadt von Bad Vilbel geschlendert. Als Abschluss ein ordentliches Eis. Abends mit dem Auto nach Massenheim in eine Äppelwoi-Wirtschaft gefahren. Moni hat uns am Bahnhof Bad Vilbel Süd abgeholt, wo Robert, unser Lieblingskind (nicht unser eigenes) aus Frankfurt mit dem Zug angekommen war. In der Wirtschaft waren schon Christine, Monis Tochter, mit Mann Christian. Es war ein netter Abend, wenn es auch mit der Bedienung nicht ganz klappte.

Römermosaik in Bad Vilbel


Montag, 10.4.

Um 11 mit Robert in seiner Studentenbude verabredet. So früh stehen die Studenten nicht auf. Hanni und Beate (die Eltern) waren schon überraschend aus Berlin da. Immerhin wird Robert heute 25. Über die Wohnungspreise in FFM kann man sich nur wundern. 400 € für ein 15-Quadratmeter-Zimmer, mit Küchen- und Badbenutzung sind schon heftig. Na, da wollen wir in Berlin auch noch hin. Die staatstragenden Parteien werden es schon richten. Zuerst ging es mit der Straßenbahn in den Palmengarten. Sehr schön, mit unterschiedlich temperierten Gewächshäusern. Besonders schön waren die Rhododendren. Für die Fotofreunde, mit der Farbe der Roten kommt die Leica M (240) gar nicht zurecht. Dann weiter ein Stück mit der U-Bahn, in FFM eher eine unterirdische Straßenbahn, und durch die Taunus-Anlagen zum Main. Weiter nach Sachsenhausen auf ein Eis. Zum Schluss in eine urige Apfelweinkneipe. Mit dem 30er Bus zurück nach Bad Vilbel.

Frankfurter Palmengarten


Dienstag, 11.4.

Zeitig los über die Dörfer über Eschborn nach Bad Soden. Eschborn kenne ich von einer Schulung bei der Firma T & N. Mit dieser beruflichen Schulung konnte ich nicht viel anfangen, da man mir nachträglich die Lizenz verweigerte. Das hätte sonst der DFS ein paar Mark gekostet, die Kosten der Ausbildung waren Wurscht. Ich könnte jetzt noch schreiben, wer sich da besonders hervor getan hat, tue ich aber nicht. In Bad Soden waren wir im Alten Kurpark und am Hundertwasser-Haus. Dann ging es aufwärts in den Taunus. Es wurde uns ganz schön sauer. Es ging eine vielbefahrene Bundesstraße bergauf. Die Radwege in der Nähe hätten uns auf zusätzliche Höhen geführt. In Niedernhausen haben wir uns auf die Bahn geschwungen. In Limburg hätten wir umsteigen müssen, nur die Zeit dazu war etwas knapp bemessen. Eine Stunde wollten wir nicht warten, so sind wir die gut 10 km nach Balduinstein geradelt. Es hat sich gelohnt, nachdem wir uns durch den Verkehr von Limburg und Diez gequält hatten. Der Radweg an der Lahn ist wirklich schön, das wussten wir jedoch schon, weil wir schon im Frühjahr 2014 hier durchgefahren waren. In Balduinstein angekommen haben wir erstmal den Zug in der Faller-Landschaft fotografiert. Wir hatten ja vorher wegen des Quartiers angerufen. Das war auch gut so, Balduinstein ist noch im Winterschlaf. Wir sind gut im Gasthof Hergenhahn untergekommen.

Bärbel in Balduinstein
          

Mittwoch, 12.4.

Um 8 Uhr gefrühstückt, wir waren die einzigen Gäste. Das schöne Stück von gestern zurück nach Limburg gefahren. Die Stadt haben wir aber links, eigentlich rechts liegen lassen. Den Bischofssitz haben wir ja schon 2014 von außen bewundern können. Unsere Wirtin erzählte, der neue Bischof wohnt nicht dort, er baut in der Stadt neu. Wahrscheinlich luxuriös, die Heilige Mutter Kirche ist schließlich reich, das wusste Bischof Tebartz van Elst auch. Nur beim versenkbaren Adventskranz wurde es dem Papst zu viel, so ein Spielverderber. Die garstigen Gänse getroffen, dir wir schon vor 3 Jahren kennengelernt hatten. Können das noch dieselben gewesen sein? Oder sind die Vorgänger schon im Kochtopf gelandet? Jedenfalls waren sie genau so unfreundlich. Ich mag Gänse, nur sie mich nicht. Zur Burg Runkel, natürlich mit Verhauer, wir haben uns verfahren, wie beim letzten Mal. Besichtigung mit Waffen, Folterkammer etc. Weiter die Lahn entlang, ein Päuschen in der Nähe von Fürfurt mit Weizenbier und Käsekuchen, beziehungsweise Currywurst. Auch einen süßen, alten Rauhhaardackel gab es. In Weilburg den Schiffstunnel bewundert. Idiotische Beschilderung aus der Stadt heraus. Es ging aber noch weiter, Wegweiser lockten uns in 2 Richtungen. Die vertrauenerweckendste Variante führte uns über die Berge. Über Vordörfer mit Sackgassen nach Wetzlar hinein. Das erste Hotel aus dem GPS passte gut. Nach 80 km ganz schön kaputt. Ich opferte mich, noch zu Leica zu fahren, um nach einer Führung für morgen zu fragen. Es waren nur 3,5 km, dafür aber stramm bergauf. Bärbel konnte sich glücklich schätzen. Es gibt morgen keine Führung. Ich schaute mir die Ausstellung an. Viele Leica-Nachbauten, historische Leicas und die aktuelle Palette. Am Empfangstresen sah ich Dr. Kaufmann, Gottvater von Leica, persönlich. Der Chef und Sanierer von Leica von 2004. Er fährt einen Audi A8. Ist das ein großes Auto? Nach Wetzlar heruntergerauscht, Dr. Kaufmann hätte nicht schneller sein können. An der Fußgängerbrücke zum Hotel traf ich Bärbel. Das Fahrrad in den Stall gebracht und in ein bayrisches Restaurant. Viel los und laut, eine richtige Völlerei.

Bärbel, Burg Runkel


Donnerstag, 13.4.

Vormittags zum Dom, es war Kindergottesdienst. Mit dem 11er Bus zum Leitzpark hinauf gefahren und noch einmal gemeinsam in Ruhe durch die Leica-Ausstellung geschaut. Diesmal konnte man auch Leute durch die Scheiben arbeiten sehen. Mit dem Bus zurück in die Altstadt. Lottehaus und Kammergericht, also viel Goethes Frühzeit. In den Dom und einen Italiener für heute Abend ausgespäht. Vorbei mit Schnitzel, etc.

Leitz Park in Wetzlar


Freitag, 14. 4.

Zeitig los. Das Hotel hat uns ein Lunchpaket umsonst mitgegeben. Zwischen Wetzlar und Marburg ist das Lahntal sehr breit. Man kann unter mehreren Tourenvarianten wählen, ohne gleich in die Steigungen zu geraten. Durch den dünnen Feiertagsverkehr, ohne Lastwagen sind wir überwiegend auf der Straße gefahren. 12 km vor Marburg auf einer Bank in der Sonne die mitbekommenen Käsebrötchen, samt Mars gegessen. Rein nach Marburg und den letzten Anstieg zu unserem Freund, Ulli geschoben, ächz. Ein schönes exponiertes Haus für einen Funkamateur, aber nichts für Radfahrer. Viel mit Ulli beim Tee geschnackt. Wir haben eine besondere Beziehung zu Marburg. Bärbel war hier 1971 ein halbes Jahr zur Ausbildung, in der Außenstelle der Staatsbibliothek. Marburg ist durch die Universität eine sehr junge Stadt, waren wir damals auch. Dass es Ulli, das Nordlicht nach Marburg verschlagen hat ist ein angenehmer Zufall. Obwohl er mehr als die Hälfte seines Lebens in  Marburg verbracht hat, meint er mit Zuhause immer noch das Schleswiger Süderbrarup. Auch den hessischen Zungenschlag hat er sich verkniffen, Gott sei Dank. Abends in die Dammühle gefahren. Es ist ein sehr gediegenes und vornehmes Restaurant geworden. Früher war es eher eine Ausflugsgaststätte. Sehr gut gegessen. Früh ins Bett.

Ulli und Klaus in der Dammühle


Samstag, 15.4.

Geschlafen wie ein Ratz. Ausgiebiges Frühstück mit Ulli. Bärbel und ich sind dann über den Schlossberg in die Marburger Altstadt gelaufen. Ja, der Schlossberg liegt niedriger als Ullis Domizil. Eine schöne Fußgängerzone, die sich wohltuend von anderen Städten abhebt. Dann in die Elisabethkirche, ein schöner gotischer Bau. Dort liegt der Oberbefehlshaber und quasi Militärdiktator des ersten Weltkriegs, Paul von Hindenburg begraben. Auch in der Weimarer Zeit ein schlimmer Finger und Taktierer. Na, das Ende mit Hitler und seiner glorreichen Bewegung kennt man ja. Da hatte Hindenburg die falsche Strategie. Mit dem 5er Bus den Berg zurück zu Ulli hinauf. Abends zum Osterfeuer, ca. eine halbe Stunde zu Fuß von Ulli weg. Organisiert war die Veranstaltung von der freiwilligen Feuerwehr Marbach. Die Feuerwehr kann auch Feuer anzünden, nicht nur löschen. Viele Brandstifter sind ja bekanntlich bei der freiwilligen Feuerwehr…. Ein Jungfeuerwehrmann sorgte eifrig dafür, dass die Leute nicht zu nah an das Riesenfeuer herangingen. Hätte man aber auch von allein gemerkt. Aber der Junge machte sich nützlich. Es gab Bratwürste, Pommes und Bier. Ein netter Abend.

Marburg, Wettergasse
Marbacher Osterfeuer

 

Ostersonntag, 16.4.

Nach dem Frühstück sind wir die 12 km nach Amöneburg gefahren, vorbei am Universitätsgelände, wo Ulli vorher gewohnt hat. Der Ort liegt auf einem kleinen Basaltvulkan, der vor 20 Millionen Jahren ausgebrochen war. Von dort hat man einen wunderschönen Blick auf die Umgebung. Kurz vorm Mittag in ein Café. Wir waren Störenfriede bei der Vorbereitung des Osteressens, bekamen trotzdem etwas widerwillig Kaffee und Kuchen. Abends sind wir beim Sellmann, bei Ulli auf dem Berg, gut und bequem essen gewesen.
          
Ulli, Bärbel und Klaus in Amöneburg


Ostermontag,  17.4.

Oh, Schreck lass nach, es schneit. Nach dem Frühstück sind wir in die Unterstadt gelaufen. Von den Bäumen fiel noch der Schnee herunter, gemütlich war es nicht. Vorbei an sehr schönen Häusern. In der Frankfurter Straße vorbei, wo Bärbel 1971 während ihrer Ausbildung in Marburg gewohnt hatte. Ein Cappuccino in einer Bäckerei, in der wir schon 2014 auf Ullis Rückkehr von den Azoren gewartet hatten, und mit dem 5er Bus zurück. Abends mit Ulli zum chinesischen Buffet unten, etwas außerhalb von Marburg. Es war sehr gut, wenn auch nicht sehr gemütlich.

Ullis Garten am Ostermontag


Dienstag, 18.4.

Zeitig los. Ulli ging es mit seinem Ohr nicht so gut, ihm war wieder schwindlig. So fiel der Abschied etwas kurz aus. Na, wir sehen uns wahrscheinlich Freitag in einer Woche in Berlin wieder. Es hatte heute Nacht noch einmal geschneit, die Straßen waren aber frei. Erst wellig, dann gut bergab nach Caldern an der Lahn, die hier fast nur noch ein Bach ist. Es war ganz schön kalt beim bergab rauschen. Zuerst auf der B 62 gefahren, jedoch mit viel Verkehr. In Friedensdorf auf den Radweg ausgewichen, der entpuppte sich jedoch als schottriger Waldweg, auf dem wir viele km gefangen waren. Wir kamen auf der Straße wieder heraus, nachdem die B 62 schon abgezweigt war. Dann steil ins Rothaargebirge, wir mussten schieben. Inzwischen waren wir in Nordrhein-Westfalen. Hier tobt der Wahlkampf. Die SPD ruht sich auf ihren Lorbeeren aus. Die anderen haben auch nichts zu bieten. In Erndtebrück angekommen, war das einzige Hotel geschlossen. Am total kaputten Bahnhof sind wir auf den Zug nach Stift Keppel-Allenbach. Ich war total durchgefroren. Gut im Gasthof Siegel, direkt am Bahnhof untergekommen. Sehr gut gegessen.

Bärbel kurz vor Bad Laasphe
 

Mittwoch, 19.4.

Nach dem Frühstück die Servierdame gebeten, uns die Fahrräder aus der Garage zu geben. Das klappte jedoch nicht richtig, weil sie nicht wusste, wie die Tür von innen zu öffnen ist. Irgendwann kam der Wirt, da waren wir das erste Mal ein Eiszapfen. Dann los nach Hilchenbach und über einen steilen Waldweg hoch nach Brachthausen. Wir hätten lieber die Straße nehmen sollen. Es war sehr mühsam. Als wir oben dann die Straße erreichten und den Berg auf der anderen Seite herunterfuhren, waren wir das zweite Mal ein Eiszapfen. Wir fuhren bis Lennestadt, dort in eine Bäckerei, um uns aufzuwärmen. Mit rund 20 km war der Vormittag um. Wir nahmen den Zug, in knapp 2 Stunden waren wir in Unna. Die Königsetappe fiel leider aus. Unsere Freundin Renate wartete schon auf uns. Tee am Nachmittag und Abendessen zu Hause.

 

Donnerstag, 20.4.

Mit dem Zug nach Wuppertal-Oberbarmen gefahren und dort mit der Schwebebahn zum Zoologischen Garten weiter. Die Schwebebahn ist schon eine Schau. Sie fährt etwa alle 4 Minuten und war proppevoll. 17 Stationen waren es bis zum Zoo. Der Zoo ist am steilen Hang gelegen, eine Herausforderungen für Renates kaputte Knie. Die Attraktion war ein Schneeleopard, ein elegantes Kätzchen. Die Rückfahrt gestaltete sich schwierig. Als erstes blieb Renate in Oberbarmen im Fahrstuhl stecken. Dann war wegen Baumaßnahmen ein völliges Chaos auf dem Bundesbahnhof. Keine Anzeigetafel funktionierte richtig, sie zeigten nur falsche Züge mit falschen Abfahrtszeiten an. Irgendwo Personal? Niente! Ich möchte nicht wissen wieviele Leute dadurch im falschen Zug losfahren. Auch wir saßen im falschen Zug. Haben wir durch Zufall bemerkt und mussten den Bahnsteig wechseln, aber auch dort war der falsche Zug angezeigt. Wir sind trotzdem nach Unna zurückgekommen. Die Bahn spart sich zu Tode und vergrault die Kunden. Abends auf einem Reiterhof gut italienisch gegessen. Das besondere an dem Italiener war, dass es dort  Brinkhoffs No. 1 gab. Ein tolles Bier aus dem Ruhrpott. Wenn ich mich recht erinnere, haben wir es zuletzt vor vielen Jahren mitten in Sizilien getrunken. Das ist jedoch eine andere, wenn auch schöne Geschichte.

 

Schwebebahn in Wuppertal
Schneeleopard im Wuppertaler Zoo

 

Freitag, 21. 4.

Zeitig von Renate los. Bei mäßigem Wetter, mit gutem Rückenwind zügig über die Dörfer. Hervorragend geführte und gepflegte Radwege bzw. Wirtschaftswege. Erste Station war Werl mit seiner Wallfahrtsbasilika. Dann nach Soest, nicht Söst, sondern Sohst. Tolle Fachwerkhäuser und schöner Dom, dann zu Maria auf der Höhe. Gleich nebenan, die Wiesenkirche, mit neugotischen Türmen, die schon renoviert werden müssen. Drinnen gibt es ein Heiliges Abendmahl mit Pumpernickel, Schnaps und Bier, Weiter nach Lippstadt, überall Einbahnstraßen. Schön die Marienkirche und die Kirchenruine am Stift. Immerhin weiß ich jetzt, wo der 2. Ort zum Flughafen Paderborn-Lippstadt ist. Vor der Wende flog die Tempelhof-Airways von dort nach Tempelhof. Sie flog Mitarbeiter der Computerfirma von Nixdorf nach Nixdorf. Es war die einzige zivile Gesellschaft, die nach dem Umzug der Passagierflüge nach Tegel weiterhin von Tempelhof flog. Unmittelbar nach der Wende ging die Firma, nach der Bruchlandung einer ihrer zwei Maschinen, Pleite. Die kaputte Maschine steht immer noch auf dem Tempelhofer Feld. Renate ist durch die Pleite damals beinahe in Berlin gestrandet, sie musste mit dem Zug fahren. Auf ihr Geld wartet sie heute noch. Umständlich weiter nach Rietberg. Im Hotel Post untergekommen, das letzte Zimmer bekommen. Reichlich getrunken und gegessen. Begonnen  mit einem 0,3 l Königspilsner, dann über 0,4 l  bis 0,5 l, und dann noch eins.

Kirchenruine des Damenstifts in Lippstadt
          

Samstag,  22.4.

Über die Dörfer und eine Panzerringstraße des großen britischen Truppenübungsplatzes nach Detmold gefahren. Es soll dort nachgebaute nordirische und afghanische Dörfer zum Üben des Häuserkampfes geben. Nun ja, etwas Ähnliches hatten die Amis ja auch im ehemaligen West-Berlin. Dort ballerten sie in Lichterfelde nachts herum. Dann verkehrt nach Bad Meinberg eingebogen, so mussten wir die Externsteine im Anschluss besuchen, aber immerhin ohne Gepäck. Einige Steigungen blieben uns auch erspart. In Bad Meinberg ist tote Hose, viele Hotel- und Restaurantfenster sind blind. Im Fahrradhotel Havergoh gut untergekommen. Dann die 6 km zu den Externsteinen mit dem Rädern gefahren. Es ist garstiges Aprilwetter, das hat auch Vorteile. Es wäre sonst bei dieser Attraktion am Samstag arg voll gewesen. Ich war das letzte Mal im August 1969 dort, 2 – 3 Wochen bevor ich Bärbel kennen gelernt habe. Es sind tolle Felsformationen. Der Bürokrat der Vernichtung, Heinrich Himmler mit seinem Hang zum Germanisch-Kultischen hat sicher an den Felsen seine Freude gehabt. Ich bin mir sicher, dass er hier war. Und gleich danach zum nahegelegenen Hermannsdenkmal! Vielleicht nach einer SS-Weihe im Dom zu Quedlinburg? Durchgefroren sind wir beim Griechen in unserer Straße eingekehrt. Gut gegessen, schlechter Wein.

Externsteine

Sonntag, 23.4.

Beim Frühstück auf den Wirt getroffen, ein ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club) Berufs-Lobbyist. Muss er ja auch sein, er führt ja auch ein vom ADFC empfohlenes Haus und begutachtet andere Hotels. Ob das ein Interessenkonflikt ist? Es kam aber, oh Schreck lass nach, heraus, dass morgen die Hannover-Messe beginnt.  Das zweite Mal, dass wir in diese Falle tappen. Alle Quartiere im Umkreis von 150 km rund um Hannover sind ausgebucht. Glück im Unglück, wir habe ja Quartier in Achims Haus in Halle an der Weser, und das ist nur 60 km weit weg. Nur mit Göttingen und Einbeck wird es nichts werden. Wir werden am Mittwoch von Emmerthal in der Nähe von Halle mit dem Zug nach Hause fahren. So können wir sogar den Mitfahrer-Gutschein der Bahncard nutzen. Der halbe Vormittag war mit dem Ausnadeln der Tour und Fahrplan-Ermittlungen genutzt. Sogar herausbekommen, dass in Bad Pyrmont ein Reisezentrum ist, in dem man die Fahrkarten bekommt und den Gutschein einlösen kann. Da kommen wir ohne Umweg vorbei. Gut, dass man Internet und ein GPS hat. Auch mit Achims Mieterin telefoniert, bei der wir den Schlüssel bekommen. Schade, dass Achim in Berlin ist, wo wir nun 2 Tage in Halle bleiben. Dann endlich ins hübsche Bad des Kurorts. Abends zum Italiener um die Ecke. Mäßig und schleppend. Schlechtes Essen, guter Wein.

Montag,  24.4.

Beim Zahlen fragte Bärbel den Wirt nach dem besten Weg aus der Stadt. Das kostete Zeit und war so kompliziert, dass es nichts brachte. Aufgeladen und bequem mit GPS über die Dörfer zum Schieder Stausee gefahren, eine sehr hübsche Gegend. Weiter in Richtung Bad Pyrmont, wo es die angepeilte DB-Verkaufsstelle gab. Dort konnten wir das erste Mal einen Freifahrt-Gutschein einlösen. So kommen wir für 53 € mit Rädern und Platzreservierung nach Berlin. Weiter nach Emmerthal und dort nach langem Suchen einen Imbiss gefunden. Dann entlang der Weser nach Kemnade mit seiner schönen Stiftskirche, in der der Baron von Münchhausen begraben ist. Als sein Grab geöffnet wurde, ist er zu Staub zerfallen. Ob es stimmt?  Über die Weser-Brücke nach Bodenwerder und abgebogen nach Halle. Es fahren inzwischen riesige Lastwagen durch die enge Kurve des Dorfes. Achims Mieterin, Frau Eberling, öffnete uns. Die Wohnung unter dem Dach ist ganz schön ausgekühlt. Wir haben uns an den Tisch vor der Tür in die Sonne gesetzt. Dort habe ich schon so einige Male gesessen. In schlechter Erinnerung habe ich einen Abend, bei dem Achim leere Kümmerling-Fläschchen für eine Schnapsidee brauchte. Es ging mir sehr schlecht am nächsten Morgen. Heidi legte mir 2 Aspirin neben die Kaffeetasse (Die gibt es hier immer). Heidi ist inzwischen schon lange tot. Bärbel gelüstete es nach Oblaten-Lebkuchen. Ich bin schnell zum Dorfladen gefahren. Oh, Mann, was es in so einem Laden alles nicht gibt. Es war vom Wetter her einer der schönsten Tage der Reise, aber kalt wie immer. Abends in den Gasthof Brandt. Der Wirt war da, ein Gast kroch in den Fernseher, in dem eine aberwitzige Ratesendung lief, und wir. Lange wird der Ort nicht mal mehr eine Kneipe haben.

Stiftskirche in Kemnade (Bodenwerder)


Dienstag, 25.4.

Gepackt, um einen Ausflug nach Hameln zu machen. Es türmten sich aber so viele dunkle Wolken auf, dass wir nur bis zur nahen Tankstelle auf Kaffee und Brötchen gefahren sind. Gelesen, Mittagsschläfchen und gepackt. Das war auch gut so. Von Hameln und den 25 km, jeweils hin und zurück, hätten wir nicht viel gehabt. Nur nasse Klamotten. Eigentlich sollte es nachmittags runter nach Bodenwerder gehen, dann haben wir gesehen, dass die Alte Postschänke im Ort geöffnet hat. Eine ähnliche Situation wie gestern bei Brandt, nur der Fernseher wurde leise gestellt. Aber immerhin laufen wir nicht Gefahr, etwas auf die Mütze zu bekommen. Auf einmal wurde das Lokal doch noch voll. Auch Hannover-Messe-Besucher kamen an, vielleicht sind es auch nur Handwerker. Uns kann ja die Hannover-Messe egal sein, welch ein Glück. Vor der Tür ist die Polizei mit einer Verkehrskontrolle zugange. Reiche Beute, ist dringend notwendig für den Ort.

Klaus vor Achims Haus in Halle an der Weser, wer genau hinschaut sieht im oberen, rechten Fenster unsere Reisebegleiter, Wölfchen und Ollie


Mittwoch, 26.4.

An der Tankstelle gefrühstückt und los über die Nebenstrecke nach Grohnde. Erst etwas bergauf und dann eben, die Kühltürme des Kernkraftwerkes wiesen uns den Weg. Als wir unten an der Weser ankamen, war uns klar, dass wir den Zug nicht schaffen würden. Wir beschlossen den kleinen Umweg nach Hameln zu nehmen, weil von dort ein halbstündiger Zug einsetzt. So hatten wir einen Fahrstuhl und konnten in Ruhe einsteigen. Zeit hatten wir wie immer genug. In Hannover funktionierte kein Fahrstuhl, so benutzten wir verbotenerweise die Rolltreppen. Darin bin ich schon geübt. Da wir noch etwas Zeit hatten, sind wir noch in die langweilige Stadt auf einen Kaffee geschlendert. In der Kirche waren wir auch. Durch die Bomben im 2. Weltkrieg ist hier kein Stein auf dem anderen geblieben. Pünktlich um 13:22 ging der Zug, ziemlich voll, auch was die Fahrräder angeht.

Kühltürme des Kernkraftwerkes Grohnde


Wie war nun die Tour? Als erstes mal kalt. Kurze Radlerhosen hatten wir vergebens mit. So richtig für die richtig steilen Anstiege sind wir auch nicht mehr gut. Deshalb gibt es jedoch noch lange kein E-Bike für uns. Wir sind nicht nass geworden, das ist doch auch schon was. Für Deutschland ist halt der April noch etwas früh. Wir hatten keine Panne, die Investition der Tourer hat sich erneut bezahlt gemacht. Meine Schulter hat ohne große Probleme durchgehalten.

 

 

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