Mittenwald 2015.

Vorspiel

Dienstag die Koffer zu Getränke-Hoffmann, einem Hermes Paketshop, gebracht. Donnerstag rief mich ein Herr Lüttmann von einer Kurklinik in Schleswig-Holstein an, bei ihm wäre ein Koffer mit meinem Namen drauf angekommen. Bei Hermes für 20 Ct. angerufen. Das könne gar nicht sein, die Koffer wären noch gar nicht ausgeliefert worden. Die Frage, wie mich ein Herr wegen meines Koffers aus einer Kurklinik in Schleswig-Holstein anrufen könne, löste Erstaunen aus. Es dauerte eine Weile, bis es mir dämmerte, irgendein Dödel hatte mit den Sendungsnummern gewürfelt. Diese Nichtleistung reicht nicht einmal für den Tariflohn der Logistikbranche. Eine nette Dame bei der Hermes-Reklamationsabteilung rief mich an. Sie würde die Weiterleitung meines Koffers aus Schleswig-Holstein nach Mittenwald in die Wege leiten und gleichzeitig die Auslieferung des falschen Koffers nach Mittenwald stoppen. Ergebnis: Der falsche Koffer wurde ausgeliefert und mein Koffer in Schleswig-Holstein nicht abgeholt. Die Hotline glänzt mit Inkompetenz, was sie nicht kann, weiss ich jetzt. Was sie können? Sie können mir die Informationen aus dem Internet vorlesen, das kostet halt 20 Ct., und sie können Reklamationen weiterleiten, auch das kostet 20 Ct. Warum? Ja, die nette Dame bei der Reklamation scheint kompetent, jedoch erfolglos im Kampf gegen die Hermes-Logistik zu sein. Auch Bärbel streute zusätzlich Sand ins Getriebe. Sie füllte die beiden Banderolen für die 2 Koffer mit 2 verschiedenen Absendern aus, ohne mir etwas davon zu sagen. Damit waren die Sendungen schwerer zu verfolgen und der Klassenfeind verwirrt. Dafür hat sie auf beiden Banderolen meine Handynummer vermerkt, das hat sie mir gesagt. Das habe ich aber dann selbst gemerkt, als mich Herr Lüttmann anrief und der Trödel begann. Sie hat wohl vorher geahnt, was kommen wird, und es damit mir überlassen. Ihr Koffer ist es übrigens, der in Schleswig-Holstein gestrandet ist, natürlich, wie kann es auch anders sein, mit mir als Absender. 10 Gespräche mit der Hotline, mehrere Gespräche mit Herrn Lüttmann und unserer Vermieterin in Mittenwald. 4 Stunden war ich damit mindestens beschäftigt. Geschickt von Bärbel eingefädelt, aber an ihrem Koffer war eh die falsche Banderole s.o.

In 35 Minuten zum Funkturm gefahren. Der Bus war noch nicht da, fuhr aber pünktlich ab. Die Steckdosen im Obergeschoss des Busses funktionierten nicht, das Internet auch nicht. Busfahren ist halt nur billig. Ob das auf die Dauer hebt? Erster Stopp war Halle. Dann Busfahrerpause in Münchberg/Oberfranken, wir ein Hefeweizen, nachts um 2. Hat auch nicht geholfen, mit schlafen war nicht viel. Um 6:30 in München angekommen. Wir mussten aussteigen, damit der Bus gereinigt werden konnte. Der Fahrer sagte, wir könnten einen Kaffee trinken gehen. Auf dem total verdreckten Münchner Busbahnhof herumgeirrt und doch noch einen offenen Bäcker gefunden. Cappuccino mit Zwetschgendatschi. Dass der Busbahnhof so vermüllt ist, ist nicht verwunderlich, wir haben keinen Papierkorb gefunden, nur einen Müllsack, der zufällig da stand. Dann zurück zum Bus. Unfreundlicher Empfang als wir einsteigen wollten. Wir wären doch nicht bei der Bundesbahn, wohin wir wollten. Nach Scharnitz, das wäre Haltestelle 22. Aber unsere Fahrräder sind doch hinten am Bus. Ach so, sie kommen schon aus Berlin, warum sagen sie das denn nicht gleich? Wir durften einsteigen und bekamen den Logenplatz vorne, über dem Fahrer. Der Bus rückte vor zur Haltestelle 20 und nicht 22. Bei schönstem Wetter heraus aus München, Richtung Garmisch, die Zugspitze und die Alpspitze erstrahlten im schönsten Licht.

   

Ankunft in Mittenwald

Pünktlich in Scharnitz angekommen, der stofflige Busfahrer erzählte mir noch, wie hinderlich die Fahrräder auf den Bussen sind und dass er ja nicht in jedem Dorf halten kann. Die 6 km nach Mittenwald zurückgeradelt, weil der Bus ja dort vorbeifährt, aber nicht hält. Wir haben eine sehr schöne Freienwohnung mit fast allem Komfort. Die bestausgestattete Ferienwohnung, die wir bisher hatten. Es gibt unproblematisches WLAN, eine Sauna im Keller, in der Wohnung ist alles zweckmäßig ausgestattet. Es gibt Stauraum ohne Ende und eine Küche mit Backofen und Mikrowelle. Der erste Eindruck ist wirklich toll.

Nochmals mit Hermes telefoniert. Ja, der Koffer ist inzwischen im hohen Norden abgeholt und soll am Dienstag geliefert werden. Socken und Höschen für Bärbel gekauft, um die 40 € Entschädigung auszunutzen. Ich gehe leer aus. Der Schienenersatzverkehr ist lt. Aussage der DB nicht sehr zuverlässig, was den Fahrradtransport betrifft. Eine Radtour zum Alpenzoo nach Innsbruck mit den Rädern erscheint uns zu risikoreich. Wenn die Rückfahrt mit Rädern nicht klappen sollte, wären wir im Inntal verraten und verkauft. Von Garmisch, den Berg nach Mittenwald herauf könnte man zur Not auch radeln. Nachmittags geschlafen wie die Toten, die Nacht war schon anstrengend.

Die neueste Sendung von Mike trudelte ein. Familie Korbik ist also aus Finnland zurück. Kurz mit Mike telefoniert. Meine technische Ausrüstung auf Reisen entwickelt sich langsam zum Overkill.

Abends in den Gasthof Stern mit viel bayrischem Jodler-Tamtam. Die Meisten fanden’s gut, wir nicht so sehr. Der ersehnte Krustenbraten mit bayrischem Krautsalat und die Leber waren aus. So gab es Leberkäs mit tollem warmen Kartoffelsalat und guten Zwiebelrostbraten mit mäßigen Bratkartoffeln. Das Mittenwalder Helle ist lecker geblieben. Die Tochter der Stern-Wirtin ist recht rund geworden. Wahrscheinlich alles noch festes Fleisch, jedoch mehr Bauch als Busen. Aber das Dirndl ist gut gefüllt. Nicht mehr jungdick, aber auch nicht altdick, ganz ansehnlich. Ein Dirndl hebt halt.

Am Sonntag zum Hohen Kranzberg gelaufen. Ziemlich steiler Anstieg und sehr heiß. Aber immerhin kann man auf Gästekarte eine Talfahrt umsonst bekommen, was für Bärbels Knie gut ist. Es waren viele Leute unterwegs. Gute Aussicht auf das Isartal, die Wettersteinwand und die Alpspitze. Im Gipfelhaus Bier, Buttermilch, Zwetschgendatschi und Grammelschmalzbrot. In praller Sonne mit dem Sessellift ins Tal. Die Beine sind müde.

 
Klaus auf dem Kranzberg


Abends nach einem geeigneten Lokal gesucht. Der Postkeller, bei der Mittenwalder Brauerei, hatte nichts zum draußen sitzen. Wir sind im Nachtwächter gelandet. Als wir mit dem Essen fertig waren, ging ein heftiges Gewitter los. Wir sind in die Gaststube getürmt, haben uns mit einem Elektro-Ingenieur aus dem Ruhrpott prächtig unterhalten und sind regelrecht versackt.   

Montag, auf zur Kranzberg-Runde mit den Rädern. Kurz vor Klais hat Bärbel eine Kurve nicht bekommen und ist in einen Heuhaufen gerauscht.

 
Heuhaufenfolgen bei Bärbel


Dann die Straße hoch nach Elmau, der Ort mit den 7 Königinnen Treffen (G7). Die Straße hat auffällig viele Kanaldeckel. Da hatten unsere Staatsschützer endlich mal eine sinnvolle Aufgabe, die Kanaldeckel zu versiegeln. Na, 200 bis 360 Millionen € wollen ja auch ausgegeben sein.

 

Versiegelte Kanaldeckel auf dem Weg zum Schloss Elmau


Weiter am Schloss Elmau vorbei, über die Forststraße zum Ferchensee. Eiskaffee, Buttermilch und Apfelstrudel nicht nackert (mit Vanillesoße) im dortigen Lokal. Zum Mittag wieder daheim. Es war ganz schön heiß unterwegs.

Dienstag, früh aufgestanden. Wir fuhren mit den Rädern bis kurz hinter Krün, ca. 12 km. Dort ging es dann durch das Finzbachtal bis zur Farchanter Alm. Unterwegs trafen wir eine kleine Rinderfamilie mit halbstarken Bullen. Isidor hatte sich mit mir angefreundet, weil ich so salzig schmeckte.

 

Jungbulle Isidor


Um 12 Uhr sind wir an der Farchanter Alm angekommen. Eigentlich wollten wir noch eine ¼ Stunde weiter zur Esterbergalm gehen, da die Farchanter Alm auch bewirtschaftet war, sind wir nur bis dorthin. Der Wirt an der Farchanter Alm war ein ausgesprochener Muffel. Wir fragten ihn, ob wir uns zu ihm setzen dürfen, weil es das einzige Plätzchen mit Schatten war. Wir durften, es war jedoch ein Fehler, weil der ganze Tisch für ihn reserviert war. Das haben wir aber erst mitbekommen, als wir schon saßen. Dafür war seine kleine Tochter Nellie umso süßer und netter, sie servierte. Der Rückweg zog sich mit einigen Gegenanstiegen. Es gab noch einen Abstecher zur Finzbachklamm, sehr beeindruckend, von oben. Unsere Räder standen noch dort, wo wir sie im Wald angeschlossen hatten. Zurück nach Mittenwald. Auch zwischen Krün und Elmau wurden die Kanaldeckel versiegelt. Die 7 Königinnen wissen sicher, vor was sie Angst haben und warum. Ich war ganz schön erschossen, von der Tour, obwohl es nur insgesamt 24 km Rad und 20 km zu Fuß mit 400 m Steigung waren. Es war jedoch ziemlich heiß. Zuhause gab es noch eine schöne Überraschung, Bärbels Koffer war endlich da.

Mittwoch war Ruhetag, wir sind ins Karwendelbad zum Baden und Lesen gewesen. Hinterher Eis auf Christas Kosten gegessen.

Donnerstag früh aufgestanden. Eine Radtour zur Kastenalm im oberen Isartal stand an. Es ging die übliche Strecke abseits der stark befahrenen B2 nach Scharnitz, dann sanft das Isartal bergauf. Unterwegs trafen wir auf 2 Waldarbeiter mit Kaltblut-Rückepferden. Das war natürlich etwas für uns Kaltblutnarren.

 

Rückepferd im Isartal


Auch viele Kuhgruppen waren unterwegs. Leider eher an uns uninteressiert. Nach gut anderthalb Stunden bergauf kamen wir im „Kasten“ einer großen Hochebene an. Begrüßt wurden wir von der süßen Hündin Tina auf der Kastenalm.


Q-Gruppe oder Kuhgruppe


Almhündin Tina


Zurück ging es zügig wieder die 22 km zurück nach Mittenwald. Inzwischen erobern die E-Bikes auch die Schotterwege in den Bergen. Auch auf der Kastenalm kann man seinen leeren Akku aufladen. Es war ein wunderschöner Ausflug, wenn auch wieder sehr schweißtreibend. Nachmittags noch nachschwitzen in der hauseignen Sauna.

Freitag, es ist immer noch sehr heiß, darum etwas Kleineres. Wir waren zur Leutaschklamm samt Wasserfall. Wir sind mit dem Rad bis kurz vor die Staatsgrenze zum kurzen Weg zum Wasserfall gefahren, 2,50 € Eintritt. Dann weiter die 20 Minuten herauf zur Panoramabrücke am Beginn der Klamm. Es waren viele Menschen unterwegs. Die Klamm ist wie immer beeindruckend. Im Gegensatz zur Partnachklamm kommt man aber nicht so tief herunter, also nicht an den Bach. Am Ende über den Höhenweg zum Berggasthof Gletscherschliff. Meinen ersten Kaiserschmarrn heuer gegessen. Den bequemen Weg zurück zum Kiosk am Wasserfall und mit den Rädern zurück nach Hause. Bärbel war dann noch einkaufen, weil morgen Feiertag ist.


Klaus in der Leutaschklamm, am Wasserfall


Zweite und dritte Woche

Samstag ist Feiertag, Mariä Himmelfahrt, in Bayern. Das Wetter soll unbeständiger werden. Wir hatten uns zu einer kleineren Wanderung, zur Goas-Alm auf den Buckelwiesen entschieden. Diesmal waren die Schirme im Gepäck. Die Temperatur war nicht mehr so hoch wie in den letzten Tagen, jedoch immer noch etwas schwül. Es ging auf dem Gröblweg aufwärts aus dem Ort heraus, vorbei am Schmalensee und unter der z. Z. totgelegten Bahn hindurch zu den Buckelwiesen. Sie tragen ihren Namen zurecht, eine bucklige Welt. Die Goas-Alm erwies sich als Reinfall. Gerade mal ein paar Zicken, weit ab vom Weg waren zu sehen. Weiter zur Hauptstraße Richtung Klais. Ein kleiner Mercedes-Bus ist vom Römerweg, einer kleinen Abkürzung zur Straße nach Elmau, abgekommen. Das hatte fast an der gleichen Stelle Bärbel letzte Woche auch geschafft. Zwei kopfbetuchte Frauen mit Kindern schauten aus sicherer Entfernung zu, wie ihre Männer mithilfe des ADACs den Bus wieder von der Wiese auf den Weg zu ziehen versuchten. Bärbel schaffte es ohne den ADAC. In Klais hatte der angepeilte Kiosk wegen des Feiertages geschlossen, das größte Gasthaus im Ort hat ganz zu gemacht und das Café Rusticana machte erst um 14 Uhr auf. Also, tote Hose in Klais, dem höchsten ICE-Bahnhof Deutschlands. Wahrscheinlich hat dort in den letzten 20 Jahren einmal ein ICE gehalten. Eine ¾ Stunde auf den SEV (Schienenersatzverkehr) gewartet und in 10 Minuten für 2,50 € nach Mittenwald gefahren.                                    

 

Buckelwiesen


Havarie mit Kopftuch


Sonntag schlechtes Wetter, Regen und kühl. Endlich mal durchatmen! Wir waren im Geigenbaumuseum im alten Teil des Ortes. Sehr interessant, Geigenbauer muss ein toller Beruf sein. Handwerklich, musikalisch und künstlerisch eine echte Herausforderung. Ob er allerdings wirklich heute noch etwas einbringt? In seinem Geschäft am Obermarkt verkauft ein Geigenbauer Folklore-Kitsch. Nachmittags in die hauseigene Sauna, abends selber gekocht. Es gab süßsaure Eier mit schönen Kartoffeln. Ein Sonntagsessen? Endlich mal wieder ein Tag ohne Alkohol, Zeit wurde es ja auch wieder im verführerischen bayrischen Bierland.

Montag, mein vierundsechzigster Geburtstag. Schlechtes Wetter, nicht brav gewesen? Na, wir wollten sowieso in die Sauna ins Karwendelbad. Es ist für Geburtstagskinder frei. Vorher noch einen Kaffee in der Cafébar Paula, frei durch die Eintrittskarte im Geigenbaumuseum gestern. So schnorrten wir uns durch den Tag. In der heutigen Tagesspiegelseite: Alter Raser tauschte in der letzten Nacht seinen Ferrari gegen eine Harfe ein. Dies geschah in der Nähe meines Fahrradunfalls in Kladow/Gatow vor ziemlich genau 2 Jahren. Der Alte muss recht flott unterwegs gewesen sein, seine Trümmer und die seines Ferraris waren auf über 100 m verteilt. Eigentlich ist das nicht erwähnenswert, nur der verrückte Alte war 64, so alt wie ich heute geworden bin. Dessen wurde ich erst nach der 2. oder 3. Überlegung gewahr. So langsam muss ich mich daran gewöhnen die Messlatte des Alters anders anzulegen, ich hielt mich gefühlt für jünger. Ist aber nicht so. Es geht aber auch noch anders. Eine Alte zeterte in der Sauna über die vielen Ausländer in Mittenwald. Sie verstehen noch nicht einmal das Klingeln ihres Fahrrades, wenn sie vor ihr gehen und nicht zur Seite springen.Sie ist auch noch Vermieterin von Ferienwohnungen und regte sich darüber auf, dass ihre Gäste in der Wohnung auch noch kochen. Ist das nun Bayern oder das Alter? Schreck bei der Ankunft an unserem Haus, ein Junge fuhr auf Bärbels Fahrrad davon. Es klärte sich glücklicherweise. Der Junge dachte, das Rad gehöre zu den Hauseigenen. Nur solch schicke Räder haben die gar nicht. Er entschuldigte sich tausend Mal. Die Folgen: Vorne und hinten war jeweils der kleinste Zahnkranz eingestellt, da muss er noch etwas lernen, aber einen Blick für gute Räder hat er schon.

Dienstag waren die Wetteraussichten ganz passabel. Wir beschlossen über Garmisch und Grainau zum Eibsee zu fahren. Bis nach Garmisch bergab, bis Grainau eben und zum Eibsee stramm bergauf.

  
Zugspitzbahn in der Nähe von Grainau


In Grainau nach unseren alten Quartieren geschaut. Familie Degenhard wohnt noch dort. Die alte Frau Bader wird wohl schon tot sein. Eine bemerkenswerte Frau, sie hat im Dritten Reich die Mutter von Ilja Richter, eine Jüdin, versteckt. Für den Rückweg hatten wir eigentlich den SEV, wer weiß inzwischen, was das ist (?), eingeplant. Da aber der Anschluss nicht besonders passte, beschlossen wir nach Mittenwald hinauf zu radeln. Es ging ganz gut, nach einer richtig langen Tour möchte ich das allerdings nicht machen. Diesmal hatte der Kiosk in Klais für eine Pause offen. Danach das kurze Stück über den Sattel nach Mittenwald. Es sind dann doch 62 km zusammen gekommen. Ich hatte abends nicht mehr den rechten Appetit, vielleicht zu viel Sonne. Wir sind trotzdem zum Gasthof Stern, für mich auf ein Süppchen. Ich hatte dort am Anfang unserer Reise einen richtigen alten Bayern in der Schankstube am Kochherd Bier trinkend fotografiert. Das Bild ist nicht besonders geworden. Irgendwie kam uns das Bild auch bekannt vor. Überlegung, der alte Mann ist nicht echt. Ich also, heute sofort in die Schankstube. Er saß dort an der selben Stelle, in der selben Haltung. Er bewegte sich jedoch, sein Bierglas war leerer als neulich und sein Plastikbeutel stand woanders. Er war echt, gehört wohl zum Inventar des Gasthofs Stern. Er ging sogar Pipi machen.

   
Gasthof Stern, 9.8.2015

 

Gasthof Stern, 18.8.2015


Mittwoch, sehr graues und regnerisches Wetter. Ab ins Karwendelbad. Schwerbehinderte bekommen 5,50 € Nachlass für Sauna & Bad. Davon sollten sich die Berliner Bäderbetriebe mal eine Scheibe abschneiden, da gibt‘s nämlich nix. Abends Gurkengulasch selbst gekocht.

Donnerstag, durchwachsenes Wetter, wir machten uns auf mit dem SEV nach Innsbruck, zum Alpenzoo. Es fing gleich mit einer Panne an. Der Bus streifte auf dem Mittenwalder Bahnhofsvorplatz einen im absoluten Halteverbot stehenden Wagen. Polizei wollte erst wegen des Bagatellunfalls gar nicht kommen. Kam dann doch, der Wagenlenker im Halteverbot beging eine Ordnungswidrigkeit, deshalb darf ihn der Bus noch lange nicht streifen. Polizei wieder weg, ohne die restlichen Wagen in den Halteverbotszonen zu büßen. Sollen doch die vielen SEV-Busse sehen wo sie bleiben und es sind große Dreiachser, die in engen Kurven Schwierigkeiten haben. Für uns bedeutete das eine ½ Stunde Verspätung. In Innsbruck hatten wir uns eine Verbindung im Internet zum Alpenzoo ausgeguckt. Mit dem Bus zum Löwenhaus und dann mit der Standseilbahn. Die Station gab es gar nicht. Mussten 2 Stationen zurücklaufen. Nur die Standseilbahn entpuppte sich als Ruine, also laufen. Immerhin, es war ein schöner Weg durch einen Park, stramm bergauf. Unterwegs haben wir dann mitbekommen, dass es eine neue Seilbahn gab. Für den Zoo bekamen wir eine Rentnerkarte, genau wie für den Stadtbus. Der Zoo war wie immer toll, Luchse, Bären, Wölfe, Elche, Haustiere, Gemsen und als Besonderheit Wisente zusammen mit Wildschweinen. Die ungleichen Tiere gingen sich nicht etwa aus dem Weg, sondern schäkerten und rangelten miteinander. Sehr nett! Die Rückfahrt gestaltete sich auch schwierig. Fritz erreicht, am Wochenende geht es zur Zugspitze. Bei der Reintalangerhütte angerufen, aber niemand ging ans Telefon. Im Internet versucht 3 Lager zu buchen. Absage, der ganze August ist ausgebucht, nix Zugspitze. Abends in den Gasthof zum Stern.

   
Wisente und Wildschweine in einem Gehege


Freitag, schönes Wetter. Wir hatten gestern wegen der guten Vorhersage 2 Fahrradplätze im Bus zur Eng-Alm gebucht. Die Räder kamen in den Bauch des Busses. In 1 ½ Stunden fuhr uns der launige Busfahrer mit vielen Erklärungen hinauf. Die Eng-Alm liegt im Ahornboden, das ist eine riesige Hochebene mit vielen Ahornbäumen. Sehr beeindruckend, ich kann jedem einen Ausflug hierher empfehlen, der in der Gegend ist. Es war noch kühl, wir mussten uns noch die Jacken anziehen. Die ersten 25 km über Hinterriss und Vorderriss bekamen wir geschenkt, es ging bergab. Im Gasthof zur Post, in Vorderriss, ein Ayinger Weißbier und eine Kartoffelsuppe, beides sehr lecker. Von dort an mussten wir selber treten. Es ging die kleine Mautstraße, entlang der Isar, 15 km leicht bergauf und bergab. Die Isar ist hier ein breites Schuttfeld mit recht wenig Wasser. Nur während der Schneeschmelze nimmt der Bach flussförmig die ganze Breite ein. Danach etwas anstrengend und ermüdend über schottrige Waldwege weiter entlang der Isar und zum Schluss die Straße zurück nach Mittenwald. Insgesamt waren es 50 km, ein schöner Tag.

  
Ahornboden


Bärbel an der Isar


Samstag, Fritz war sehr zeitig da. Er traute sich noch nicht rein, weil er dachte wir könnten noch nicht auf sein. Dabei hatte ich schon fürs Frühstück eingekauft. In Ruhe gefrühstückt und mit dem Bus zum Ferchensee. Dann los nach Elmau. Das Gut Elmau hat zugemacht. Zu gewöhnlich für den inzwischen mondänen Ort. Auf dem Parkplatz ein süßes Rauhaardackelmädchen kennengelernt. Man hat sie mir für 50 € abgeboten. Wir konnten uns nur nicht einigen, ob die Leine mit dabei ist. Wir sind dann ohne Dackel weiter über einen großen Umweg, weil der Normalweg gesperrt war, zur Partnachklamm. Eingekehrt sind wir auf der Hintergraseckalm. Dort gab es eine hübsche Berner Sennhündin, Bärbels Favoritin. Die war allerdings nicht zu verkaufen. Die Partnachklamm war toll, wie immer. Das fanden allerdings hunderte anderer Leute auch. Immerhin sind wir auch 17,5 km gelaufen. Von Garmisch mit dem SEV nach Mittenwald. Abends in den Gastgarten vom Gasthaus zum Stern, weil Samstag war, wieder mit Musi. Auch der Alte in der Schankstube saß wieder an der selben Stelle.


Mein Dackelmädchen


Die Juniorwirtin vom Gasthaus Stern möchte ich Euch nicht vorenthalten


Bärbel, Fritz und ich im Gasthaus zum Stern


Samstag war der  große Tag. Kurz vor 6 Uhr aufgestanden, gut gefrühstückt. Wir sind dann mit Fritzens Luxuswagen hinunter nach Garmisch zur Osterfelder Seilbahn. Genau pünktlich zur 1. Gondel. Die ¼ Stunde zum Einstieg in die Alpspitz-Ferrata gelaufen, dann ging es zur Sache. Der Klettersteig zur Alpspitze ist vorbildlich, ja sogar etwas viel des Guten, gesichert. Es ging über die Schulter zum Westgrat. Es waren eine ganze Menge Leute unterwegs, trotzdem kaum Steinschlag. Nach gut 3 Stunden waren wir oben, die Schnellsten waren wir nicht. Bei mir war es nicht so sehr die Luft, es fehlt doch etwas die Kraft. Fritz turnte wie ein Äffchen vor uns her. Lange Gipfelrast, wir hatten wirklich Zeit. Es gab, wie immer, nette und zutrauliche Bergdohlen am Gipfel. Es sind echte Allesvertilger, Wurst, Schokolade und Obst. Das Wetter zog allerdings etwas zu. Dann der lange Abstieg  über den Ostgrat. Der Abstieg ist schiach, ätzend, anstrengend, endlos und an machen Stellen etwas heikel. Wir erreichten jedoch irgendwann den rettenden Nordwandsteig. Noch eine Leiter, abwärts, dann forderte Bärbel eine Pause für ihre Gummibeine ein. Danach noch ein paar Stahlseile abwärts, dann war die Bergstation der Osterfelder Seilbahn zu sehen und man hörte auch schon Musi herüber schallen. Mit der Bahn wieder herunter. Fritz setzte uns am Bahnhof in Garmisch ab, mit dem Bus nach Mittenwald. Zwei Weizenbiere am Kiosk. Wir müssen ganz schön fertig ausgesehen haben. Der Wirt fragte uns jedenfalls, wo wir gewesen wären. Abendbrot im Nachtwächter. Ich habe nach der Anstrengung des Tages schlecht geschlafen.


Alpspitze

 

Fritz auf dem Alpspitzgipfel
Fritz und Bärbel auf der Alpspitze
  
Pause am Nordwandsteig


Montag ins Karwendelbad, selbst das war eine Herausforderung für unsere kaputten Beine. Abends zu Hause gegessen um unsere Lebensmittelvorräte zu reduzieren. Auf der Terrasse den Wein, den ich von Fritz zum Geburtstag bekommen habe, ausgetrunken.

Dienstag, Reisemitbringsel eingekauft und die Koffer gepackt. Obwohl weniger drinnen ist, gingen sie kaum zu. Die Beine tun immer noch weh. Abends in den Gasthof Stern. Der Alte saß wieder an seinem Herd in der Schankstube. Inzwischen wissen wir mehr über das Geheimnis, wir haben den Ober gefragt. Der Alte heißt Peter, ist über achtzig und kommt alle 6 geöffnete Tage des Gasthofes. Er trinkt jedes Mal 2 Helle, 2 Alkoholfreie und eine Marille. Das Essen war gut, wie immer. Nun ist Mittenwald 2015 vorbei. Morgen geht es nach München, für 3 Tage.


München 2015

Mittwoch, ich war früh wach, bin um 7:30 aufgestanden. Die Restsachen eingepackt und die Koffer vor die Tür gebracht. Die bestellte Taxe war auf die Minute pünktlich und die Dame vom Zeitungsladen/Hermes-Shop schloss ein bisschen vor 9 Uhr auf. Die Taxe kostete 6 € für 1 km, dafür hätte sie mich allerdings auch wieder zurückgefahren. Ich erledigte meine Kofferabgabe und lief zurück nach Hause. Die Dame zum Herrichten der Wohnung kam auch gerade. Wir konnten noch unser Gepäck da lassen und fuhren mit den Rädern ins Café Zuntinger am Obermarkt. Dann holten wir unser Gepäck ab. Da wir gut in der Zeit waren, konnten wir auf jedem zweiten Bänkchen auf dem Weg nach Scharnitz ein Päuschen einlegen und in die Sonne blinzeln. An der Haltestelle stand unser Bus mit einer anderen Zeit. Also, MeinFernbus mit einem teuren Auslandstelefonat angerufen. Alles, in Ordnung, außer die gut 5€, die es gekostet hat. Gegenüber von der Haltestelle parkte ein Ferrari mit heulendem Motor ein. Mit wenig Gas und leise fährt wohl so ein Auto nicht. So viele Boliden wie heute in Scharnitz und München habe ich noch nie an einem Tag gesehen. Ferrari, Lamborghini, McLaren, Mercedes-Sportwagen, BMW-Sportwagen und Porsches waren gut vertreten. In Bayern muss das Geld für solche Autos wohl locker sitzen. Der Bus kam ein wenig später als auf dem Fahrplan vermerkt. Und der unfreundliche Busfahrer der Hinfahrt war es wieder. Ja, ich weiß Fahrräder halten den Bus auf, Rhabarber, Rhabarber. Der Bus stank im Inneren nach Klo und anderen Dingen, das Internet ging auch nicht. Die Ausweise wurden in Garmisch im Bus kontrolliert. Die bayrische Polizei war ihrer Zeit voraus. Das Schengen-Abkommen war ihr schon immer ein Dorn im Auge. Das ist uns das letzte Mal im Januar 1995 zwischen Österreich und Bayern passiert. Die Bundesrepublik und Österreich hatten damals das Schengen-Abkommen unterzeichnet, nur Bayern noch nicht. Es lebe die europäische Freizügigkeit, die bayerische Kleinstaaterei wird sie schon abschaffen! Ob damit das Flüchtlingsproblem in den Griff zu bekommen ist, bestreite ich. Wir sind ja nun gerade vor einer guten Stunde mit dem Fahrrad von Deutschland nach Österreich unbehelligt gereist. Da reicht eine große Asylantengruppe mit Fahrrädern. Kein Bundespolizist wird an der Grünen Grenze aus dem Busch springen, Schlepper braucht es da nicht. In München pünktlich angekommen. Auch hier stimmte der ausgehängte Fahrplan nicht mit unserer Fahrkarte überein. Es gab jedoch eine hilflose Dame am Schalter, ein Auslandsgespräch war nicht nötig. Die Großstadt, mit Kleinstadt-Charakter, nahm uns in Empfang. In 15 Minuten zu unserem Hotel. In der Gegend des Hotels, in der Nähe des Bahnhofs, sind die Deutschen eine verschwindende Minderheit. Eingecheckt und zum alpinen Museum des Alpenvereins gelaufen. Es gab dort eine Ausstellung über die Expeditionen der Gebrüder Schlagintweit, Mitte des 19. Jahrhunderts. Schöne Aquarelle, wenig geschichtlicher Hintergrund. Wir bekamen 2 Ermäßigungen des Eintritts, nämlich den für Rentner und für Alpenvereinsmitglieder. Nach der Ausstellung, vorbei am innermüncher Isarbadestrand, ins Weiße Bräuhaus im Tal 2. Dort servierte eine hübsche Schwarze im Dirndl Weißbier. Dies ist wahr und keine Ironie, oder sollte es etwa so gemeint gewesen sein? Es gab gutes Essen, nur da der Außenbereich des Weißen Bräuhauses auf der Straße war, gab es viel Unruhe. Getrunken wurde natürlich die berühmte bernsteinfarbene Schneider Weiße, TAP 7. Spezialität am Sonntag: Stierhoden-Carpaccio. Zum Abschluss gab es eine Hopfen-Weiße. Wolle, horch auf, sie schmeckt genau wie das Citra Ale aus der Bornstraße. Noch ein Absacker in einem ausländischen Lokal in Hotelnähe, dann ins heiße Zimmer. Offene Fenster verboten sich von selbst, Nuttengekicher, grölende Männergruppen, arabischer Gesang, Polizeisirenen und röhrende Flitzer drang selbst durch die geschlossenen Fenster, die ganze Nacht.

 

Isar-Badestrand
Karte mit Stierhoden Carpaccio


Die Schwarze im Weißen Bräuhaus


Donnerstag, in die beiden Dependancen des Deutschen Museums. Erst ins Fahrzeug-Museum mit Lokomotiven, Autos, Zweirädern und vieles mehr. Es gab auch eine Sonderausstellung über die Transsibirische Eisenbahn, sehr schön. Ich würde mir so etwas jedoch nicht antun wollen. Dann ging es weiter, mit dem Bus zur Donnersberger-Brücke. Den Kampf gegen den Fahrscheinautomaten hatte ich verloren. Er spuckte, Gott sei Dank, das mühsam zusammen gesammelte Kleingeld kurz vor dem Aussteigen wieder aus. Am S-Bahnhof war ich erfolgreicher. Wir fuhren bis Oberschleißheim. Nach 20 Minuten Fußweg war der Flugplatz mit seiner Fliegerausstellung erreicht. Es war eine ebenfalls tolle Ausstellung. Beide Ausstellungen waren früher im Deutschen Museum integriert, jetzt hat man viel mehr Platz. Mit der S-Bahn zurück nach München-Ost in den Haidhausener Augustiner. Es gab leckeren Krustenbraten. Ich staune, dass sich nach all dem Fleisch und Bier der letzten 3 Wochen mein Zehchen noch nicht meldet. Mit dem Bus 62 zum Sendlinger Tor und abends noch in den Biergarten im alten Botanischen Garten. Dort gab es nur Bier in Maßkrügen. Wieder eine heiße Nacht im Hotel.

  
BMW 507, das schönste Auto überhaupt


Flugzeugmuseum Oberschleißheim


Freitag, ins Lenbachhaus mit seiner Blauer-Reiter-Ausstellung. Es ist mit das Schönste, was die Kunst zu bieten hat. Franz Marc und August Macke in einem Raum, nicht ohne Grund. Beide kannten Frankreich gut und wollten trotzdem im Ersten Weltkrieg gegen die Franzosen ziehen. Beide hat es das Leben gekostet. Sonst gab es noch die Kunst des 19. Jahrhunderts und die nach 1945 im schönen Lenbachhaus. Die Abteilung 19. Jahrhundert zeigte Porträts und Landschaftmalerei, na ja. Die Abteilung nach 1945 zeigte dann großflächige einfarbige Bilder, ärgerlich. Und Joseph Beuys, leider nicht seine Fettecke, auf jeden Fall will der Kunstliebhaber verkackert sein. Wir waren so schlau und hatten mit dem Blauen Reiter begonnen, so konnten wir ihn frisch genießen.


Bärbel mit dem berühmten Pferdebild von Franz Marc


Mittags in einen Biergarten in der Hirschau hinter dem Englischen Garten eine Pause eingelegt und überlegt, was wir noch unternehmen könnten. Die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Dachau war nur etwas über 20 km weit weg. Wir sind dort mit dem Rad hingefahren. Das KZ haben die Nazis wohl schon im Vorfeld geplant, es war schon 8 Wochen nach der Machtergreifung fertig. Es ist eine Menge dort zu sehen, aber eigentlich nichts Neues. Mit den Rädern zurück nach München, umständlich und lästig. Abends türkisch gegessen. Es war Bärbel nicht besonders gut bekommen.

 
Eingang des KZ Dachau


Nach 3 Tagen München und Hotel im Bahnhofsviertel sind wir wieder urlaubsreif. Immerhin, unsere Koffer sind schon in der Steinstraße und bei Familie Roscher abgegeben worden.

Samstag, die Sachen gepackt. Zum Viktualienmarkt einkaufen, durch die Fußgängerzone zum alten Botanischen Garten und dort auf einem Bänkchen die Zeit abgewartet. Dann zum Busbahnhof. Glatte Fahrt, auf die Minute pünktlich am Funkturm.


  
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