Pfronten / Allgäu 6. August - 28. August 2016

 

Vorgeschichte:

Unsere Koffer sind, im Gegensatz zum Vorjahr, richtig beim Pferdehof Lotter in Pfronten angekommen.

Sa. 6.8.

Unsere Räder am Bus


Um 4:10 klingelte der Wecker. Ich hatte eigentlich ganz gut geschlafen. Gewaschen, die Fahrradtaschen verschlossen und um Viertel vor Fünf los durch die Stadt zum Funkturm. Zu früh, wie immer. Eine ¼ Stunde vor der Abfahrt war der Bus da. Gepäck abgegeben und die Räder aufladen lassen. Der Bus war recht voll. Wir hatten unsere Plätze mit Tischchen. Ich konnte Bärbels Reisebericht von 1990 weiter abtippen. Bequem war das jedoch nicht, der Tisch war zu hoch. Der Bus war pünktlich, bis sich 90 km vor München ein 90 minütiger Riesenstau ankündigte. Der Fahrer bog von der Autobahn ab um über die Dörfer zu fahren. Diese Idee hatten viele andere auch. In Pfaffenhofen war die Ortsdurchfahrt gesperrt, also noch eine Umfahrung. Es schneckte und wir kamen um 15 Uhr mit 90 Minuten Verspätung in München an, dafür haben wir die Ortschaften vor München kennengelernt. Der angepeilte Zug war natürlich weg. Wir konnten noch in den Biergarten am alten Botanischen Garten und nahmen den Zug 2 Stunden später. Unterwegs auf dem Bahnhof Buchloe fauchte uns der Kondukteur an, dass er dreimal ausgerufen hätte, dass der hintere Teil des Zuges abgehängt würde. Das war eine Hetze mit Gepäck und Rädern, um zum vorderen Teil zu gelangen. Es ging viele Leuten so, die Lautsprecheranlage war wohl nicht so toll in Ordnung im Zug. Wir saßen nun atemlos und geschafft im vorderen Teil, hoffentlich haben wir nichts liegen lassen. In Kempten in einen Bummelzug umgestiegen. Pünktlich, wenn auch 2 Stunden zu spät in Pfronten angekommen. Einkaufen für das Frühstück morgen war dadurch leider nicht mehr möglich. In den Gasthof Adler zum Essen. Sülze und Schweizer Wurstsalat. Nett mit Vater und Tochter aus Aachen am Tisch unterhalten. Früh ins Bett.

So, 7.8.

Gasthof Adler


Lange geschlafen. Die Koffer und Fahrradtaschen ausgepackt und um 12 Uhr zum Frühstück ins Café um die Ecke gegangen. Pflaumenkuchen und Cappuccino, danach eine Erdbeermilch, während am Nebentisch schon Bier getrunken wurde. Durch den Ort geschlendert, Öffnungszeiten ermittelt. Auf der Bundesstraße ist viel Verkehr mit Motorradpest. Sonst ist alles schick. Hier ist es eine gute Mischung von Einheimischen und Touristen. Es gibt Bauernhöfe, die uns allerdings auch eine Menge Fliegen bescheren. Die Berge sind nah, verkehrsgünstig scheint es auch zu sein. Ich glaube unser Foto-Freund Bodo hat uns einen guten Tipp mit Pfronten gegeben. Abends in den Gasthof Adler mit viel Schnack.

Mo, 8.8.

Blick von der Burgruine Falkenstein


Morgens zur Touristen-Information, Prospekte und noch eine Karte mitgenommen. Dann bei Norma die Erstausstattung eingekauft. Wir werden hoffentlich noch einen besseren Supermarkt finden. Gefrühstückt und die Wandersachen angezogen. Los Richtung Burg Falkenstein durch Pfronten-Ösch. Dann sollte es in 1 ¼ Stunden auf die Burg gehen. Das überbieten wir spielend. Es ging schattig und steil bergauf. Vorbei an dem großen Ferienhotel Schloßangeralpe. Tolle Autos standen auf dem Parkplatz, darunter drei alte Mercedes 300 SL aus den Fünfzigern im Bestzustand. Dann die letzten 20 Minuten steil und glitschig hoch zur Burg. Oben eine irre Aussicht. Die Zugspitze ist auch zu sehen. Die Seen in der Ebene liegen wunderbar da. Die Burg wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Der verrückte Ludwig II wollte hier ein noch größeres Schloss als Neuschwanstein bauen, diesmal mit 360° Blick. Glücklicherweise haben ihn vorher ein paar Hofschranzen im Starnberger See ertränkt, so jedenfalls eine Variante. Sonst hätte er die bayrischen Staatsfinanzen noch mehr ruiniert. Sogar den verhassten Sau-Preisn Bismarck hat er für seine aberwitzigen Schlossbauten angepumpt und dafür seine Bayern an die Preußen verhökert. Aber die Bayern lieben ihren Kinni, so wie die späteren Oberhäupter auch. Die bayrischen Oberhäupter dürfen den größten Blödsinn machen, sie werden trotzdem geliebt. So Franz-Josef Strauß, Stoiber und Seehofer. Horsti ist sogar bei einer ganz sportlichen Hamburgerin beliebt, weil er so einen zarten und innigen Händedruck hat. Ich glaube aber, er ist in ihrer Gunst schon gesunken. Wer errät, wer sie ist, bekommt ein Kaltgetränk von mir. Wir sind nach der Burg im Burggasthof eingekehrt. Dann über die Straße, den Glitsch umgehend, zurück nach Pfronten. Wir sind nicht gut in Form. Nach 400 m bergauf und bergab knickten uns beinahe die Beine ein.

Di, 9.8.

Klaus mit seinem Lieblingshemdchen


Schlechtes Wetter. Heute ist der 9. August, der 3. Jahrestag meines Fahrradunfalls und dessen heftigen Nebenbefund. Ich habe den Kopf immer noch auf dem Hals. Zur Feier des Tages mein weißblaues Hemdchen von damals an, das Bärbel damals wieder blutfrei bekommen hatte. Heute ist heute, ich habe einen mächtigen Muskelkater. Mit dem Zug nach Reutte ins Thermalbad. Ganz nett, das Wasser dort ist nicht so warm wie erhofft, die Saunen aber sehr gut. Auf dem Rückweg ins Brauhaus am Bahnhof. Rappelvoll, weil der Biergarten wegen des Wetters nicht nutzbar war. Etwas gehobene Preise, aber gut.

Mi, 10.8.

Bärbel mit einem unserer Pferdchen


Schlechtes Wetter. Es reichte gerade mal zum V-Markt, dem besseren Supermarkt. Pfifferlinge und Speck gekauft, heute wird zuhause gekocht. An der Homepage weiter gebastelt, gelesen, Musik gehört. Unsere Pferdchen sind eher nervös. Mir fehlen die gemütlichen Dicken.

Do, 11.8.

Bärbel auf der Hängebrücke, Highline 179


Hängebrücke mit Burgruine Ehrenberg


Mit dem Zug um 10:22 nach Reutte, die Räder sind dabei. Vom Bahnhof zur Ehrenberger Klause mit dem Rad. Das ist der Ausgangspunkt zur Burgruine Ehrenberg, zur Ruine der Festung Schloßkopf und zur tibetanischen Hängebrücke. Zuerst zur Festung, erst den bequemen Weg zur Hängebrücke und dann über Stock und Stein steil bergauf. Oben wurde ein Quattrokopter-Rennen vorbereitet. Ja, die erwachsenen Kinder! Dann runter zur Hängebrücke, die Burgruine Ehrenberg ließen wir links liegen. Die Brücke geht über das Tal, durch das die Straße von Reutte nach Ehrwald, Richtung Fernpass geht. Sie ist 400 m lang, 1,2 m breit und schwankt ordentlich. Unsere Freundin Päivi hätte ihre wahre Freude daran gehabt. Man konnte oder musste hin und zurück gehen. So eine richtige Verbindung ist es nicht, nur das Tal bietet sich für solch eine Brücke an. Die Begehung kostet 8 €, für Behinderte, wie mich 5 €. Ob es das wert war? Bestenfalls die ängstlichen Gesichter einiger Leute. Eine Frage ging mir allerdings durch den Kopf: Wie viele Politiker musste man bestechen, um solchen Mumpitz bauen zu dürfen? Die Brücke stört nicht, die Krötenwanderung wird auch nicht behindert, aber gab es keine findigen Naturschützer, die sie verhindern wollten? Nun ja, wir waren auch da. Wir sind dann mit dem Rad die 24 km zurück nach Pfronten gefahren. Strammer Gegenwind, und ständig die Straßenseite wechselnde Radwege. Der Bringer war dieser Ausflug nicht, aber immerhin war schönes Wetter. Ich bin leicht kaputt. Zuhause eine kalte Platte und abends noch ins Pub auf zwei Bier.

Täglich ist im Radio zu hören, 15 bis 20 Minuten Verzögerung an der deutsch-österreichischen Autobahn-Grenze, wegen der Flüchtlingskontrollen. Auf der Bahnstrecke und der B309 zwischen Pfronten und Reutte ist nichts. Die kostenbewussten Innenminister lassen halt dort nicht kontrollieren, obwohl die Asylanten, in ihren Augen, weder Kosten noch Mühen scheuen um ins Land zu kommen. Alles nur politisches Getöse! Sollte irgendwo Wahlkampf sein? Übermorgen ist der 13. August und damit 45. Jahrestag der Mauer. Wenn die DDR so ihre Grenzen gesichert hätte, wäre es zum Totlachen gewesen. Damit hier keine falschen Vorstellungen aufkommen, ich bin durchaus ein Verfechter des Schengen-Abkommens. Ich bin für ein Europa ohne Grenzen, diese hatten wir lange genug. Auf dem Fahrrad habe wir, zwischen Österreich und Italien, schon mal dem Grenzer unser Geld vorzählen dürfen. Da waren wir schon lange volljährig, so Mitte dreißig.

Fr, 12.8.

Toller Fahrrad-Abstellplatz an der Fallmühle


Schlechtes Wetter. Gegen Mittag klarte es etwas auf. Wir sind mit den Rädern zur Fallmühle, etwa 5 km, gefahren. Dort gibt es Esel, Schafe und Ziegen, die waren leider weit weg vom Zaun. Eigentlich wollten wir noch weiter ins Tannheimer Tal, aber die Wetter-Verhältnisse waren nicht so. So war es nur ein kurzer Ausflug. Abends in den Gasthof Adler.

Sa, 13.8.  

Panorama von der Hochalp-Bergstation, in der Mitte der Aggenstein

Früh aufgestanden, mit dem Bus zur Seilbahnstation. Der Busfahrer muss wohl ein Berlinimport gewesen sein, was seinen Charme und seine große Klappe anbetraf. Zwei Abschnitte mit der Seilbahn, erst mit der Kabinenbahn, dann mit der Sesselbahn weiter zur Bergstation der Hochalp. Von dort eine tolle Aussicht, auf den Aggenstein, den Breitenberg, die restlichen Allgäuer Berge und weit über die Allgäuer Ebene. Dann gemächlich bergauf zur Ostlerhütte. Es ist schön dort, ich hatte einen kleinen Liegestuhl auf der Terrasse, dort hätte ich anwachsen können. Freundliches Personal, die hübschen Mädchen des Hauses arbeiteten mit. Langsam füllte sich die Terrasse. Auch die beiden Bad Rappenauer, mit denen wir gestern im Gasthof Adler an einem Tisch gesessen hatten, kamen. Damit ich nun doch nicht am Liegestuhl anwachsen konnte, sind wir abgestiegen. Karawanen kamen uns entgegen. Eine Mutter rief, das finde ich erwähnenswert, nach ihrem Sohn „Mat-Marlon“. Sie muss wohl eine Cineastin gewesen sein. Mit der Seilbahn ins Tal und die 2 km Straße zurück nach Hause gelaufen. Schlummirunde und danach zum V-Markt, weil Montag Feiertag ist. Zuhause gekocht, Fischauflauf ohne Fisch.

So,14.8.

Zwei wunderschöne Shire Horses


Bärbel an der Staats-Waldgrenze


Hohenschwangau


Um kurz nach 9 Uhr mit dem Rädern los auf der B309 Richtung Musau, auch diesmal sprangen de Maizière’s Mannen an der österreichischen Grenze nicht aus dem Busch. Wie sein österreichisches Pendant heißt, weiß ich nicht, nur, dass unsere Nachbarn die verbalen Scharfmacher sind. Durch den Wald wieder zurück nach Deutschland und vorbei am Alpsee zu den Königsschlössern im Schwangau. Unterwegs zwei Reiter auf gemütlichen Shire Horses getroffen, endlich, zwei wunderschöne Pferde. Bei den Königsschlössern war irre was los. Etwa 100 Busse standen auf den Parkplätzen. So bringt jetzt der verrückte Ludwig dem Freistaat das Geld ein, das er Bayern zu seinen Lebzeiten geraubt hatte. An Eintrittskarten für das Schloss Hohenschwangau war gar nicht zu denken, in Neuschwanstein waren wir vor Jahren schon einmal. Wahrscheinlich in der Woche und nicht sonntags. Vorbei am Forggensee und Füssen zum Hopfensee. Überall viel Autoverkehr. Etwas ruhiger, jedoch über Kieswege zum Weißensee und über die Berge zurück nach Pfronten, insgesamt 46 km. Im Gasthof Adler noch ein Bier zur Belohnung und dann nach Hause. Das beste Stück war durch die Natur zwischen Musau und den Schlössern.

Mo, 15.8.

Feiertag, es blitzt, donnert und gießt am frühen Morgen. Wir sind mit dem Zug nach Nesselwang in das ABC, Alpspitz Bade Center, zur Tätowierten-Schau. Leicht zu erreichen und preiswert, die Tageskarte mit Sauna 14,50 €. Abends ein neues Restaurant ausprobiert, Zum Türmer. Leckere Steaks und Pilsner Urquell. Sehr zeitig zu Bett.

Di, 16.8.

Blick auf den Schartschrofen, in der Mitte


Um 9:42, in 25 Minuten mit dem Bus, vor der Tür ins Tannheimer Tal zur Seilbahnstation Füssener Jöchle. Von dort in 1 ½ Stunden rüber zum Schartschrofen. Mehr weit als hoch, immer etwas felsig bergauf und bergab. Schöne Aussicht von dort oben. Mir tut der Rücken weh, besser gesagt etwas tiefer. Bei jeder leichten Drehung zuckt es in der rechten Po-Backe. Mal wieder ein Zeichen für das zunehmende Alter. Wir sahen dann aber zu, beizeiten zurück zu sein, das Wetter schwenkte auf Gewitterstimmung um, was aber nicht kam. Mit dem Bus zurück. Bärbel ins Bett, ich sorgte noch für Essen und Trinken. Auf dem Weg zum Norma-Laden vorbei an unseren Lieblingskälbchen. Sie hatten einen ordentlichen Salzbedarf, so dass meine ganze Hand bis zur Armbanduhr im Mäulchen verschwand. Menschenfresserkälbchen?

Mi, 17.8. 

Klaus mit seinen Geburtstagskälbchen

So, nun bin ich im richtigen Rentenalter, wenn man Schröders und Münteferings Zeitaufschlag nicht mitrechnet. Wie war das Anfang 1968, zum Beginn meiner Lehre, als ich auf meine Lohnabrech- nung schaute? Der Beitrag zur Rente schmälerte mein Netto. Die Erwachsenen: Du wirst auch mal die Vorteile der Rente genießen. Damals war allerdings noch nicht davon die Rede, dass jemand mitten im Spiel die Spielregeln ändert. Dazu braucht es schon richtige Sozialdemokraten.

Die Geschenke ausgepackt und in Ruhe gefrühstückt. Zu unseren Lieblingskälbchen. Dann durch den Wald zum Milchhäusle und abends in den Gasthof Adler. Es gab viele Telefonanrufe.

Eine neue Renten-politische Sau wird durchs Dorf getrieben: die Rente ab 69. Na, wenn sich dann auch noch ein Arbeitgeber findet, der einen 68-Jährigen ordentlich bezahlt. Dann wird der Vorschlag eines inzwischen verstorbenen Jung-Unionisten wieder aufgenommen. Ab 72 gibt es kein künstliches Hüftgelenk oder ähnliches mehr. Mit 75 werden dann die Alten zum Sterben in den Wald getrieben. Damit passt dann die Rentenformel wieder. Diese Regel gilt natürlich nicht für Politiker. Sie dürfen auch in den Wald, zur Jagd auf widerspenstige 76-Jährige.

Do, 18.8.

Pause bei den Zehrenhöfen


Vormittags war das Wetter schlecht prognostiziert. Wir haben uns eine Tour hoch durch das Achtal und durchs Engetal, über Grän zum Tannheimer Tal ausgenadelt. Runter ging es über Unterjoch,  Wertach und Nesselwang zurück nach Pfronten. Bergauf war es nicht besonders steil, aber es blies ein ordentlicher Gegenwind. Unterwegs gab es Schweinchen, Esel und viele Rinder auf den Weiden. Und, die Innenminister müssen wohl meine Mails gelesen haben, eine Kontrolle an der österreichischen Grenze. Wir Radfahrer wurden nicht durchgewunken, sondern einfach ignoriert. Na, die wussten schon, wer da kommt. Bärbel war zwar voll verschleiert, aber man sah ihr die Deutsche an. In Tannheim war Tote Hose. Dann ging es mit Rückenwind bergab durch eine wirklich idyllische Gegend, abseits des großen Verkehrs. Der setzte erst wieder zwischen Nesselwang und Pfronten ein, weil uns die Radroute nach 45 km zu beschwerlich war. In Pfronten noch ein paar Sachen eingekauft und 1 Stunde vor einem großen Gewitter mit nachträglichem Dauerregen zu Hause angekommen. Abendbrot daheim, es gab selbst gemachten Obazda.

Fr. 19.8.  

Bärbel mit Esel an der Fallmühle


Um halb zehn los und den Wanderweg zur Fallmühle genommen, dort gab es einen Frühschoppen. Weiter durch das Aftental in Richtung Himmelreich und zur Alpe Bärenmoos abgebogen. Ein Wurst- und ein Käsebrot. Werner Enke (aus dem Film um 1968 „Zur Sache Schätzchen“ mit Uschi Glas in der Rolle ihres Lebens, nur im falschen Film) hätte gesagt, ein Wurstbrot, wo die Wurst so richtig überlappt. Von der Alpe kann man die Berge unserer gestrigen Radtour sehen. Auf der Alpe gibt es keine Milch, weil die Kühe noch zu jung sind, schade. Dafür waren die Kälbchen und Halbstarken sehr hübsch. Dann haben wir für den Abstieg leider den falschen Weg gewählt, steil und glitschig. Es hat sich gerächt, dass ich mit kleinen Schuhen gegangen bin. Dreckig sind allerdings meine als auch Bärbels Schuhe. In der Vilstalsäge noch einmal eingekehrt und dann entlang der Vils einfach nach Hause. Es waren am Schluss 450 Höhenmeter und 15 km Strecke. Abendessen auf dem Balkon.

Heute ist der 19. August, der Geburtstag meines Schulfreundes Harald, der mit Anfang zwanzig an den Folgen seiner Drogensucht gestorben ist. 17. und 19. August 1951, dieses Tandem vergesse ich nie.

Sa, 20.8.

Schlechtes Wetter, ins Bad nach Nesselwang. Wieder sehr schön, in meinem neuen Geburtstags-Buch „Skandale in Berlin“ gelesen. Sex-Skandale in der Kaiserzeit und der Nazizeit. Betrügereien und Korruption in der Weimarer Republik. Gerade in der Nachkriegszeit angekommen. Schon mal geschmult, Ost-West Konflikte, natürlich der Steglitzer Kreisel und der ganze Westberliner Immobilien-Sumpf. Die Kaiserzeit ist banal. Die Weimarer Zeit ist schon wesentlich wilder. Die Nazizeit ist pikant, obwohl es keine Sensationspresse in der Zeit gab. Ein Klatsch- und Tratschbuch genau nach meinem Geschmack. Abends ins Restaurant „Zum Türmer“.

So, 21.8.

Reutter Tal


Schlechtes Wetter am Vormittag, um 15 Uhr schien dann die Sonne. Wir sind zu einem kurzen Spaziergang aufgebrochen und gerade noch rechtzeitig vor dem nächsten Regen wieder zurück gewesen. Abends mal was anderes, Pizza.

Mo, 22.8

Der Kögelweiher


Hufbeschlag auf unserem Pferdehof


Endlich wieder schönes Wetter. Wir haben uns auf die Räder gesetzt und sind eine Biege nördlich von Pfronten gefahren. Es ging erst nach Nesselwang und dann durch die bucklige Welt von Hertingen und Rehbichel. Auf dem Rückweg noch beim V-Markt eingekauft. Nachmittags wurde uns noch ein Hufbeschlag auf dem Pferdehof geboten. Das Pferd war brav, nur beim letzten, linken Hinterhuf wollte es nicht mehr. Hufschmied ist noch ein richtiges Handwerk. Die Hufeisen sind zwar industriell vorgefertigt, die Anpassung und Anbringung erfordert jedoch große Umsicht. Es war wirklich toll, dabei zusehen zu dürfen. Um 16:30 kam unser Freund Fritz. Er brachte Marmor- und Apfelkuchen von seiner Mutter mit, den es zum Tee gab. Abends in den Gasthof Adler. Die Alpen glühten, aber leider kein Fotoapparat dabei. Zeitig zu Bett.

Di, 23.8.

Auf halbem Weg auf den Aggenstein

   

Fritz, Bärbel und Klaus auf dem Aggenstein

Früh aufgestanden, Brötchen geholt und in Ruhe gefrühstückt. Punkt 9 Uhr an der Seilbahn, bis ganz nach oben gefahren. Der Weg, „Langer Strich“ auf den Aggenstein, war anfangs mit Stahlseilen versichert. Es ging leichter hinauf als erwartet. Unterwegs kurzer Plausch mit einem entgegenkommenden Pärchen. Erfahren, dass der Abstieg über die Bad Kissinger Hütte leicht sei und man von dort gut zur Mittelstation der Seilbahn kommen kann. Von der Bad Kissinger Hütte kamen dann auch die Massen herauf, es war ganz schön Andrang auf den mit Seilen versicherten Gipfelaufbau. Die beliebten Bergdohlen warteten schon auf uns. Sie würden wahrscheinlich ohne Bergwanderer oder Bergsteiger verhungern. Ich mag diese netten Gesellen/innen. Jause auf der Hütte. Der Abstieg über den „Bösen Tritt“ war wirklich leicht, aber doch etwas länger als erwartet. Noch ein Bier an der Seilbahn und dann hinunter. Zuhause noch einmal Tee mit Kuchen und Obstsalat. Dann machte sich Fritz auf den Heimweg, leider wieder zu wenig gemeinsame Zeit. Wir sind abends an einen aussichtsreichen Punkt gefahren, um das Alpenglühen zu fotografieren. Leider blieb es aus.

Mi, 24.8.

Hohes Schloss in Füssen

Habe mir den rechten Fuß beim Abstieg vom Aggenstein etwas verdreht. Mich hat es aber schon früher schlimmer erwischt. Laufen ist trotzdem nicht so gut. Wir sind mit dem Rad Richtung Füssen gefahren. Den üblichen Weg, die B309 runter und kurz vor Musau links ab. Die Straße nach Füssen ist gut ausgebaut und hat sogar einen Radweg, aber was für einen, Schotter. Die ist eine echte Gemeinheit, für Rennräder sicher ungeeignet. Am Bootshafen nach einer Schiffsrundfahrt über den Forggensee geschaut. Um 12:30 große Rundfahrt, noch viel Zeit für die Stadt. Füssen ist wirklich nett, ein kleines Städtchen. Dann die Bootsfahrt über den Stausee. Der See heißt nach dem Örtchen, das er 1954 verschlungen hat. Es muss ein seltsames Gefühl für die Anwohner gewesen sein, dass es jetzt ihren Ort nicht mehr gibt. Inzwischen frisst der Braunkohlentagebau die Orte in Brandenburg. Die Schiffsfahrt war langweilig, bis auf die kreischenden und tobenden Kinder toleranter Eltern an Bord. Mir tat mein Fuß weh und ich graulte mich vor der Heimfahrt. Die Strecke kannten wir schon, es ging bis kurz vor Pfronten kontinuierlich bergauf. Es war heiß und die Radwege führten immer dorthin, wohin wir nicht wollten. Ein Bauer machte uns aber freundlich, wirklich!, darauf aufmerksam, dass die B310 gefährlich sei. Wir  kamen letztendlich in Pfronten an. Das geplante Weizenbier blieb uns jedoch verwehrt, weil unser Café Ruhetag hatte. Abends zuhause gekocht.

Do, 25.8.

Um mein Füßchen zu schonen, sind wir ins Bad nach Nesselwang. Es hat wirklich geholfen. Abends zur Abwechslung zum Jugoslawen, ich kann die braune Biersoße zu den hier üblichen Gerichten nicht mehr sehen.

Fr, 26.8.

Gasthof Stern, Mittenwald

Wir hatten gestern ein Bayernticket für heute gekauft. Wir planten zum Gabriele-Münter-Haus in Murnau am Staffelsee zu fahren, nur hatte es nur von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Das passte uns zeitlich gar nicht in den Kram. Wir sind gleich hoch nach Mittenwald gefahren. Als wir durch Garmisch fuhren habe ich an Ursel und Bodo Ehestädt, Bärbels erste Vermieter gedacht. Mit ihnen haben wir uns mehrmals in Garmisch getroffen. Es war für mich ein schwieriger Ausflug, weil mein rechter Fuß ordentlich weh tat. Ich legte mich im Park an der Therme auf eine Bank, während Bärbel durch Mittenwald schlenderte. Als sie wieder zurück kam, sind wir in unseren Stammbiergarten, Gasthof Stern, eingekehrt. In der Münchner Bildzeitung stand auf der Titelseite in großen Lettern: „Letzter Brief belegt: Ludwig II. war nicht verrückt“. Dann war er halt ein absolut egoistischer und verschwenderischer Herrscher. Nun, für die Bildzeitung scheint es im Augenblick keine anderen Probleme zu geben. Mir fällt auf Anhieb das Erdbeben in Mittel-Italien ein, was für ein Drama. Um 15:36 wieder auf die Bahn nach Pfronten. Glücklicherweise gab es einen Bus vom Bahnhof nach Hause. Ich war froh zurück zu sein.

Sa, 27.8.

Heute ist Hauswirtschaftstag. Die Ferienwohnung aufräumen, Koffer packen, Flaschen wegbringen. Die Kurtaxe bezahlen und Schnack mit der Wirtin. Es wäre zu heiß zum Wandern oder Radfahren. Mein Fuß ist zwar besser, richtige Aktivitäten würde er aber sowieso nicht zulassen.

Was habe ich im Urlaub gelesen? Mediafotografie von Thomas Walter. Ein Buch von einem Autor, den ich persönlich aus dem Leica-Forum kenne. Im Frühjahr haben wir uns auf unserer Radtour in seiner Heimat Tübingen getroffen. Ein umfangreiches Buch, das man lt. Vorwort von Anfang bis Ende lesen sollte. Nun ja, dazu fühlte ich mich auch verpflichtet. Die Grundlagen über die analoge Fotografie sind inzwischen nicht mehr ganz so wichtig. Wie auch die Zeit über viele Details der digitalen Fotografie hinweg gerauscht ist. Das Buch ist 2005 erschienen, als ich meine erste digitale Kamera kaufte. Für mich ist das Buch ein gründliches und ziemlich vollständiges Kompendium über fast alle Aspekte der Fotografie. Es ist toll aufgemacht, mit richtig gutem Papier. Es macht Spaß darin zu lesen.

Das zweite Buch, wie bereits erwähnt: Die Skandale in Berlin. Inzwischen habe ich es ausgelesen. Zwischen Kaiserreich und Drittem Reich war es amüsant bis nachdenklich. Der letzte Teil handelt von West-Berlin. Zwei Ost-West politische Skandale aus der Frontstadt, die einem die Haare zu Berge stehen lassen. Eine alliierte Spionage-Geschichte, in der ein Tunnel in die DDR gegraben wurde um dort die Kabel anzuzapfen. Dann kamen die Immobilienskandale, die ich selbst miterlebt hatte. Es ist die Geschichte des Steglitzer Kreisels um die Architektin Kressmann-Zschach, inklusive ihrer stets zielgerichteten Partnerschaften. Wie ich gerade nachgelesen habe, hat sie ein Ehrengrab in Zehlendorf erhalten. Sie hat Berlin vorsätzlich um viele Millionen geschädigt, so geht das in unserer Stadt. Am Kreisel knabbert Steglitz immer noch. Und es ist die Geschichte um den Immobilien-Hai Garski, dem West-Berliner Banken, unterstützt durch die Politik, leichtfertig Millionen-Kredite einräumten, die er in Saudi-Arabien in den Sand setzte. Zusätzlich übernahm der Senat auch noch Bürgschaften für die Sandburgen. Das kostete die Stadt über 120 Millionen DM. Beide Skandale sind eng mit der Politik und der Subventions-Mentalität West-Berlins verknüpft. Keine der Parteien blieb verschont. Als die CDU infolge des Garski-Skandals ans Ruder kam, verfilzte sie sich auch in kürzester Zeit. Im Bereich Immobilien gab es jedoch noch viel mehr, was der West-Berliner Parteiensumpf so hergab. Einige, nicht im Buch: der Ausbau des Kottis (Kottbusser Tor), bei dem ein Architekt auf den anderen schoss. Der letzte ist der BER-Skandal, nun Gesamt-Berlin. Der ist noch lange nicht ausgestanden. Unsere Skandale hatten fast immer mit Immobilien zu tun hatten. Mein Geldberater bot mir einmal einen Immobilienfonds an. Das lehnte ich ab, mit solch schmutzigen Geschäften wollte ich nichts zu tun haben.  

Abends in den Gasthof Adler zur Henkersmahlzeit.

So, 28.8.

Bärbel auf dem Bahnhof Pfronten, Abschied

Pünktlich am Bahnhof in Pfronten, der Zug auch. Mein Fuß machte allerdings beim Hereinheben der Räder Schwierigkeiten. Das Umsteigen in Kempten war etwas anstrengend, weil der Zug einen extrem hohen Einstieg mit Treppen hatte. Zwei Stationen bis Buchloe und dann weiter mit einem bequemen Doppelstöcker nach München. Zweimal umsteigen für so eine kurze Strecke ist schon lästig. In München gab es erst einmal ein Münchner Frühstück (Weizenbier und eine Brezn) im Biergarten gegenüber vom Busbahnhof. Dann rüber zum Bus, der schon bereitstand. Auf die Minute pünktlich los. Noch in München der erste Stau. Ziemlich pünktlich vor Berlin, leider ist auf der Avus ein Auto ausgebrannt, Vollsperrung. Der Busfahrer war so clever über den Berliner Ring nach Spandau reinzufahren. Trotzdem rund 1 Stunde Verspätung. Mit unserem Freund Achim in unserem Lieblingslokal „Maria“, eigentlich „Padre Pio“ lange getafelt. Spät ins Bett.

Nachklang

Die Koffer sind heil, richtig und pünktlich zurückgekommen. Damit hat die Reise rein organisatorisch gut geklappt.

  

 

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