Anhalter Bahnhof und Anhalter Bahn
Der Anhalter Bahnhof war der zweitälteste Bahnhof Berlins seit 1841. Von ihm fuhren die Züge in Richtung Sachsen, Süddeutschland, Österreich und Italien. Er war, wie alle Berliner Fernbahnhöfe, ein Kopfbahnhof. Zum Anhalter Bahnhof gehörte auch ein Güterbahnhof, der sich bis zum Schöneberger Priesterweg zog. Die Gleise kreuzten die Yorckstraße und den Prellerweg (Priesterweg). Davon sind noch die vielen Brücken übrig, deren Höhe das Maß der Berliner Doppelstockbusse wurde. Die Monumentenstraße und Dudenstraße werden unterquert und der Sachsendamm überquert. Hinter dem Prellerweg sind es dann nur noch je 2 S-Bahn- und Fernbahngleise.
Im 2. Weltkrieg wurde das Dach des Bahnhofs schwer beschädigt, die Seitenwände standen aber noch. Bis 1952 wurde der Bahnhof auch noch genutzt. Durch die Teilung der Stadt wurde das Verkehrskonzept allerdings geändert. Die Interzonenzüge kamen ausschließlich über Wannsee zum Bahnhof Zoo nach West-Berlin. Der Anhalter Bahnhof wurde stillgelegt. 1959 wurde der schöne Bahnhof, trotz Denkmalschutz und Bürgerprotesten, gesprengt, eine städtebauliche Barbarei. Übrig geblieben sind nur das Portal und eine große Brache. Daraus wurde ein Fußballfeld, und 1980 wurde das Tempodrom, zunächst als Zelt, dann als festes, schönes Gebäude gebaut. Die Reste des Güterbahnhofs holte sich die Natur, mit dem Gleisdreieckpark und dem Schöneberger Südgelände, zurück. Die Anhalter Bahn lebte nach der Wende wieder auf, allerdings durch einen Tunnel vom Gleisdreieckpark zum ehemaligen Lehrter Bahnhof, dem jetzigen Berliner Hauptbahnhof. Am Anhalter Bahnhof ging es nur unterirdisch vorbei, kein Haltepunkt.
Es gibt auch eine unterirdische S-Bahnstation im Nord-Südtunnel, den es schon vor dem Krieg gab. Da der Nord-Südtunnel durch Ost-Berlin ging und auch während der deutschen Teilung weiterhin für West-Berlin genutzt werden durfte, war der Anhalter S-Bahnhof der letzte Bahnhof im Westsektor. Von dort fuhr die S-Bahn durch alle 4 Geisterbahnhöfe ohne Halt durch, bis zum Bahnhof Humboldthain. Ausnahme war der Bahnhof Friedrichstraße, der als Grenz-Übergang zwischen West- und Ost-Berlin diente. Die Ost-Berliner Bahnhöfe, die durchfahren wurden, waren gespenstisch. Sie waren dunkel und ein einzelner ostzonaler Grenzer schob Wache. Es ist ein Wunder, dass der Nord-Südtunnel und 2 U-Bahntunnel nach dem Mauerbau am 13. August 1961, trotz der deutsch-deutschen Differenzen, offen blieben. Dies haben sich die Ostgoten mit Valuta bezahlen lassen. Ohne die beiden Verbindungen wäre es sehr schwierig mit West-Berlins Nord-Süd-Verbindungen geworden. Ich bin während meiner Lehrzeit 3 Jahre mit der U-Bahn unter Ost-Berlin durchgefahren.
Die Anhalter Bahn kommt heute vom Berliner Hauptbahnhof über den Bahnhof Potsdamer Platz, dem ersten Bahnhof Berlins, nicht weit weg vom Anhalter Bahnhof. Dort endete die erste Berliner Eisenbahn von Potsdam nach Berlin (1838), damals noch oberirdisch. Weiter geht es zum Bahnhof Südkreuz, dem neuen Fernbahnhof im Berliner Süden und Kreuzungspunkt der S-Ringbahn und den S-Bahnstrecken nach Teltow und Blankenfelde. Danach verlässt die Anhalter Bahn Berlin, hinter dem Bahnhof Lichterfelde Ost. Dazu muss man wissen, dass bis 1920 der Anhalter Bahnhof schon der letzte in Berlin war, Schöneberg war schon außerhalb. Damals wurde Großberlin geschaffen, indem die Rand-Bezirke eingemeindet wurden. Dadurch verdoppelte sich die Einwohnerzahl Berlins auf 3,8 Millionen.
Bilder der Anhalter Bahn
Der klägliche Rest des Anhalter Bahnhofs
Die beiden Originalfiguren des Portals sitzen jetzt im Deutschen Verkehrsmuseum.
Der alte Weltkriegs-Bunker und der S-Bahneingang des Anhalter Bahnhofs. Von dort kommt man nach den Konzerten im Tempodrom sehr schnell nach Steglitz.
Das wunderbare Modell des ursprünglichen Anhalter Bahnhofs, samt Güterbahnhof im Deutschen Technikmuseum.
Kurz vor den Yorck-Brücken trennen sich die Anhalter und die Potsdamer Bahn, auch Wannsee-Bahn genannt. Die kleine Conny Froboess, Anfang der Fünfziger: Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein und dann nüscht wie raus nach Wannsee. Natürlich mit der S-Bahn. Wegen der Trennung der beiden Strecken gibt es an den Yorck-Brücken 2 S-Bahnhöfe, Yorckstraße und Großgörschenstraße, im Abstand von 250 m.
Das Südkreuz war früher nur der S-Bahnhof Papestraße, dahinter weitet sich die Strecke noch einmal zum Priesterweger Rangierbahnhof und Bahnbetriebswerk. Dies sollte vor der Wende der Güterumschlagplatz im West-Berliner Süden werden, eher Lastwagenverkehr. Die ansässigen Laubenpieper fürchteten um ihre Parzellen und die Grüne Lunge wäre verloren gegangen. Durch die Wiedervereinigung konnte der Güterumschlagplatz vor der Stadt in Großbeeren gebaut werden.
Der Wasserturm am Priesterweg stillte den Durst der Lokomotiven
The Woman in Red, im Südgelände. Fotos: H. J. Grabert
Die Lokomotiven-Wartungshalle am Priesterweg
Das Verwaltungsgebäude. Der Kaufmann, mein Großvater hatte im Krieg am Priesterweg arbeiten müssen, vielleicht hier?
Arbeitsvertrag, anscheinend Dienstverpflichtung, meines Großvaters, für den Verschiebebahnhof Priesterweg
Der letzte Fernbahnhof in Berlin. Für die S-Bahn kommt noch der Bahnhof Lichterfelde Süd. Dann kommt Teltow, das schon in der Mark liegt.
Die ursprüngliche Anhalter Bahn endete in Halle. Trotzdem, etwas weiter gefasst, mit dem ICE ist man heute von Berlin in 70 Minuten Leipzig (oben) und in 4 Stunden in München (unten).