Fotografien & Texte

Steglitz & Umgebung - Impressionen

 

Juni 2019, der linke Fuß kaputt, es wird aber weiter fotografiert. Mein Fotofreund Christian hatte das Kreiselskelett fotografiert. Durch seine Anregung bin ich auf dem Weg vom Orthopäden am S-Bahnhof Feuerbachstraße aus dem Bus gestiegen und habe meine eigenen Bilder gemacht. Es ist alles schon fotografiert worden, nur nicht von jedem, frei nach Karl Valentin. Der Kreisel ist jetzt entkernt und es sollen dort moderne Eigentumswohnungen eingebaut werden. Kaufpreis ca. 1 Million €. Ja, für eine Wohnung! Damit erscheint mir die nächste Kreisel-Pleite vorbereitet zu sein. Ich habe dafür schon um ein Kaltgetränk gewettet. Ich hoffe immer noch, dass man mir das Penthouse schenkt, nur der Fahrstuhl und die Heizung müssten funktionieren. Mann, könnte man dort oben Amateurfunk betreiben, und eine schöne Aussicht hat man von dort auch. Ich nutze die Gelegenheit, als Projekt Bilder meiner näheren Umgebung einzufügen. Diese sind allerdings aus den verschiedensten Jahren. Es macht richtig Spaß, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Viele Sachen sind mir allerdings auch entglitten. Was war hier nur früher, frage ich mich oft.

Ick bin waschechter Steglitzer. Ein kleines Manko ist, dass im August 1951 meine Mutter bei ihrer Schwester in Friedrichshain war, als bei ihr die Wehen einsetzten. So bin ich in Berlin-Lichtenberg, also sogar in Ostberlin geboren worden. Ob es bei meiner Geburt Verwicklungen mit der Krankenkasse zwischen Ost und West gegeben hat, weiß ich nicht. 1951 waren Ost- und Westberlin noch mehr eine Stadt als zwischen 1961 und 1990. Zu unserer Hochzeit brauchte ich eine Abstammungsurkunde und die liegt im Standesamt Lichtenberg am Anton-Saefkow-Platz. Ich rief beim Standesamt an, ob ich persönlich dort erscheinen müsse. Die ganze Sache wurde sehr unbürokratisch gelöst. Schicken Sie uns einfach einen Brief, mit Ihrem Wunsch und einem Zehner (der Verwaltungsgebühr) drin, zu. Es hat geklappt, nur weiß ich dadurch nicht, wie es am Anton-Saefkow-Platz aussieht. Lichtenberg ist für mich sowieso ein entfernter und weitgehend unbekannter  Bezirk.

Eine schmerzliche Zäsur war auch mein Aufenthalt in einem Jugendwohnheim in Berlin-Moabit, von 1967 bis 1970. Aber sonst habe ich immer in Steglitz gewohnt. Ich bin nicht sehr mobil. In den ersten sieben Lebensjahren habe ich im Millionenblock in meiner Großfamilie gelebt. Seit 1958 lebe ich in meiner Wohnung, in der ich schon mit meinen Großeltern gewohnt habe. Das wird hoffentlich auch so bleiben, so es die „Deutsche Wohnen“ zulässt.



Steglitz war das größte Dorf Preußens mit 83000 Einwohnern, bis es 1920 wie auch andere Randbezirke in Berlin eingemeindet wurde. Eine Ausnahme war der Nachbarbezirk Kleinmachnow. Dort wehrte sich der Bürgermeister gegen Berlin, mit der Folge, dass Kleinmachnow 1945 zur sowjetischen Besatzungszone kam, nicht zum amerikanischen Sektor und damit  nicht später zu Westberlin. Eine von mir gerne erzählte Geschichte, besonders vor der Wende, als viele Radtouren Richtung Wannsee direkt an der Stadt- und Zonengrenze zwischen Zehlendorf und Kleinmachnow vorbeiführten. Kleinmachnow wurde nach der Wende ein Brennpunkt der Rückübertragung von Grundstücken ehemaliger Westler, mit vielen unschönen Vorfällen. So wurden Autos von Westlern zerstört, die ehemaligen Besitzer standen plötzlich auf dem vermeintlich eigenen Grundstück.


Im Dorf Steglitz verkauften die größten Bauern ihre Felder als Bauland und wurden so zu den Millionen-Bauern. Zwei Grabstellen der Steglitzer Millionen-Bauern, auf dem Bergstraßen-Friedhof, Dahlemann und Berlinicke. Auguste Dahlemann war eine geborene Bäthge, auch aus einer reichen Steglitzer Bauernfamilie, 2020


Die Schwartzsche Villa ist unsere Steglitzer Kulturstätte Nummer eins. Das Bild mit dem Kreisel im Hintergrund findet man zwar noch an einer anderen Stelle auf meiner Homepage, aber es passt hier gut in den Kontext.



Die Schloßstraße ist die Haupteinkaufsstraße von Steglitz. Leider ist die Individualität in den letzten Jahrzehnten verloren gegangen. Die Schloßstraße ist mit den Einkaufsstraßen anderer Städte und Bezirke austauschbar. Von den vier Warenhäusern Wertheim, Karstadt, Held/Hertie, Woolworth ist nur noch Karstadt übrig. Alte Einzelhandels-Geschäfte, wie z. B. der Delikatessenladen Nöthling, sind lange verschwunden, wie auch die Schuhgeschäfte Leiser, Salamander, Neumann und Stiller. Aufnahmen der Schloßstraße von Nordost nach Südwest.

Das Forum Steglitz war 1970 eine der ersten Shopping-Malls in Deutschland. Diesen Begriff gab es damals allerdings bei uns noch nicht. Inzwischen gibt es drei zusätzliche Malls. Erbaut ist das Forum auf dem Gelände des Bornmarktes, der lange Jahre im Untergeschoss erhalten blieb. Wichtig für mich war der Plattenladen "ZIP", dort habe ich viel Geld gelassen. Die knallgelben Plattentüten mit dem tiefschwarzen ZIP-Schriftzug bestimmten etwas das Bild der Schloßstraße. Nirgendwo ist noch eine Tüte aufzutreiben. Deshalb hier wenigstens das Logo, aus dem Tip-Magzin 17/1975. Mein Sportfreund Bernd hatte es noch. Ich habe versucht den Gelbton zu treffen. Es ist schwierig aus der Erinnerung heraus.



Der Titania Palast war ursprünglich ein Saal mit 2000 Plätzen für Großveranstaltungen und Theateraufführungen. Gebaut wurde er Anfang 1928. Die Gründung der Freien Universität fand hier statt, wie auch Kabarett-Aufführungen, so von Günter Neumann und seinen Insulanern. Viele bekannte Sänger wie Harry Belafonte und Clara Zylinder (Zarah Leander) traten hier auf. Auch die, gelegentlich öffentlichen, Kindersendungen des RIAS "Onkel Tobias" wurden hier aufgenommen. Inzwischen ist es ein Multiplex-Kino.


Das altehrwürdige Warenhaus Wertheim wurde abgerissen und etwas Neues aufgebaut. Übrig blieb nur ein kleiner Teil der ursprünglichen Fassade. Jetzt ist es auch eine Shopping-Mall.


Und noch eine schöne Steglitzer Bauruine, die mindestens schon 8 Jahre leer steht. Dort hätte man vornehm und komfortabel jede Menge Flüchtlinge unterbringen können, anstatt Turnhallen dafür zu sperren.

 

 

Katholische Kirchen mussten im evangelischen  Preußen in die Häuserfronten eingebaut werden, durften also nicht frei stehen. Als Beispiel dafür unsere Rosenkranz-Basilika.


Das Rathaus Steglitz ist inzwischen kein richtiges Rathaus mehr. Nach einem Intermezzo der Bezirksverwaltung im Kreisel und der Berliner Bezirksreform ist unser Rathaus jetzt in Zehlendorf. Dort aber immerhin im Rathausgebäude. Zum Rathaus im Kreisel gibt es noch etwas Interessantes. Die Steglitzer Verwaltung ist dort für 26 DM pro m² im Monat eingezogen, und das war 1980! Das Bonner Geld floss nur so.

Nun ist uns wenigstens das Bürgeramt im Steglitzer Rathaus verblieben und erspart uns weite Wege. Ob die Zehlendorfer allerdings ein Bürgeramt haben, weiß ich gar nicht. Zumindest habe ich dort am 19. August 2013 gewählt. Ich kam dort "zufällig" vorbei, auf dem Weg zur Voruntersuchung für meine Lungenoperation ins Zehlendorfer Behring-Krankenhaus.



Die Berliner Volksbank hatte sogar einen Auto-Schalter hinter dem Gebäude, ideal für Bankräuber. Die kamen allerdings erst vor kurzem. Sie hatten einen Tunnel vom Nachbarhaus aus gegraben, um die Bankschließfächer auszuräumen. Mit dem langen Tunnel haben sie sich ihr Geld erarbeitet. Pikantes am Rande, viele Kunden haben ihren Verlust nicht komplett angeben können ....


Im Seitenflügel des ehemaligen Wrangel-Schlösschen befindet sich das Schlosspark Theater. Das Schlösschen ist eigentlich das Gutshaus von Steglitz gewesen. Früher war es eine staatliche Bühne, bis es vom Prinzipal Didi Hallervorden gekauft wurde und recht erfolgreich läuft.



Das Adria Kino ist das letzte verbliebene, große Einzelkino in Steglitz. Sehr schön und plüschig. Ich kenne acht Kinos, die in meiner Zeit im Bezirk geschlossen wurden: Apollo, Allegro, Albrechtshof, Hili, Asta, Park-Lichtspiele, Flora, Laterna. Im Adria stets der gute Film, so war früher die Werbung.


Nicht alles im Berliner Südwesten ist so schlecht wie Kreisel und Bierpinsel. Unser geliebter Wasserturm am Priesterweger Südgelände wird saniert. Zeit wurde es allerdings auch. Sonst hätte man ihn bald in Eimern aus dem Park tragen können. Hoffentlich bleiben dem Turm die Schmierfinken erspart. Denen ist ja nichts heilig. Je schöner, desto beschmierter.



Fotorundgang auf dem Schöneberger Südgelände, Oktober 2019

Die vielen Priesterweg-Brücken waren Teil des großen Güterbahnhofs dort. Sie liegen an der ehemaligen Anhalter Bahn, die ihr Ende am Anhalter Bahnhof, dem Kopfbahnhof in Kreuzberg fand. In den Achtzigern wollte man den Umschlagplatz wieder aufleben lassen. Nach der Wende konnte er dan in Großbeeren, vor der Stadt, entstehen. Dadurch konnte das Gelände zum romantischen Südgelände werden, das ursprünglich eine Privatinitiative war. Unter den Priesterweg-Brücken musste ich viele Jahre zur Arbeit, zum Flughafen Tempelhof, hindurch fahren. Mein Spruch damals, wenn mir mal auf dem Rad etwas passiert, wird es am Ende der Brücken sein, wo ich links abbiegen musste. Dort bin ich viele tausend Male durchgefahren.


Neue Zeiten in Steglitz. Wo Jahrzehnte, eigentlich seit meiner Kindheit, Speiseeis der Traditionsfirma Eis-Hennig hergestellt und verkauft wurde, gibt es jetzt ein trendiges Haus des Dampfes, am Steglitzer Damm ....


Zwei Bilder sind am Tag des Denkmals, 2004 entstanden. Der Wasserturm auf dem Steglitzer Friedhof ist seit einiger Zeit das Domizil eines medizinischen Verlages. Zu Füßen des Turmes liegen viele Freunde, Verwandte und Nachbarn. Auch die Steglitzer Millionen-Bauern liegen dort.


 

Außerdem war das ehemalige Stadtbad Steglitz zu besichtigen.

 

Im Steglitzer Stadtbad habe ich ca. 1962 schwimmen gelernt und meinen Frei- und Fahrtenschwimmer abgelegt. Heute heißt es, weniger martialisch, Seepferdchen, in Bronze und Silber.


Ewald Wenck, 1891 bis 1981, war ein Berliner Original und wohnte in Steglitz, Unter den Eichen. Er war der bekannteste Nebendarsteller in sehr vielen Filmen. Ich kenne ihn mehr als Kaberettist und Sprecher im RIAS. Ganz bekannt war er in der Serie "Damals wars -  Geschichten aus dem alten Berlin" und in der Serie "Pension Spreewitz". Als ältester DJ der Welt hatte er seine eigene Sendung „Ewalds Schlagerparade“. Er war in allen Folgen von "Günther Neumanns Insulaner", als Genosse Klaus-Dieter dabei. Hier in einem Soundschnipsel zum 17. Juni 1953:


Blick von Bärbels Balkon auf den Turm ihrer alten Schule. Ich war früher schon dort oben. Der Sohn des Hausmeisters ging in meine Grundschul-Klasse, so konnten wir in den großen Ferien durch die Gänge der Schule toben. Oben, links, hinter dem kleinen Brett an der Dachgaube brüten im Frühsommer Turmfalken. Man sieht deutlich, dass die Schule früher ein Spitzdach hatte. Am 13. Januar 2020 waren wir, zu Bärbels Abitur-Jubiläum, mit einigen ihrer ehemaligen Mitschüler auf dem Turm. Einige Bilder, die wir dort aufgenommen haben, sind hier, auf dieser Seite veröffentlicht.


In der Optischen Anstalt C. P. Goerz wurden früher Fotoapparate, Linsen, Objektive, Projektoren und optische Militärtechnik gebaut. Jetzt ist das Gebäude die Heimat für viele kleine Firmen.



Da wo jetzt die Welt der Stoffe ist, war früher die Diskothek "Club 45". Übrig geblieben ist nur noch das Gebäude und die Hausnummer, Rheinstraße 45.  Vor ziemlich genau 50 Jahren habe ich dort  Bärbel kennengelernt,  am 7. September 1969. Im Hintergrund rechts sieht man einen Teil der Optischen Anstalt C. P. Goerz. Die Rheinstraße schließt sich unmittelbar an die Schloßstraße an.



 


Kein Flugzeug der dreißiger und der ersten Hälfte der vierziger Jahre ist ohne Instrumente der Askania geflogen. Noch eine Hi-Tech Fabrik, das ehemalige Askania Werk in der Bundesallee. Hier baute die Firma  Carl Bamberg den Bamberg-Refraktor, der jetzt in  der Wilhelm-Foerster-Sternwarte benutzt wird. Das ist ein 30 cm Linsenteleskop.


Der Insulaner ist der 78 m hohe Trümmerberg des 2. Weltkriegs, am Rand von Steglitz, schon im Bezirk Schöneberg gelegen. Insulaner, als Anspielung auf die Bewohner der Insel Ex-Westberlin im roten Meer (DDR). Er hat viel zu bieten. Das Zeiss Planetarium, die Wilhelm-Foerster-Sternwarte, im Sommer das Insulaner-Bad, im Herbst ließen wir dort unsere Drachen steigen und im Winter konnten wir dort rodeln, bis die Hände und Füße erfroren waren. Es gab eine, jetzt geschlossene, Todesbahn. Im Insu-Bad, das zu Steglitz gehört, war ich in meiner Kindheit und Jugend den ganzen Sommer lang. Dort habe ich meine erste Freundin Jutta Maaß kennen gelernt. Leider haben wir uns aus den Augen verloren, aber nicht zerstritten. Hoffentlich lebt sie noch und es geht ihr gut.

Die Sternwarte ist von unten kaum noch zu sehen, weil sie inzwischen durch hohe Bäume verdeckt ist. Keine Angst, der Blick in den Himmel ist gewährleistet.

 


Die große Kuppel links ist für den Bamberg Refraktor. Das 30 cm Linsen-Teleskop wurde von der Firma Carl Bamberg in Berlin-Friedenau, im Askania-Gebäude gebaut.



Die Steglitzer Hauptpost hat schon lange keine Schalterhalle mehr. Die befindet sich jetzt in der Schloßstraße, im ehemaligen Salamander-Schuhgeschäft. Parkplätze in der Nähe? Niente, in Ahorn- und Schloßstraße! Sollen doch die Kunden ihre Pakete etwas weiter buckeln oder mit Öffentlichen kommen! Glücklicherweise gibt es im Zeitungslädchen, bei mir nebenan, eine DHL-Filiale. Dort gehe ich gerne hin  und bei der Postbank bin ich schon seit 25 Jahren nicht mehr.

 


Die Stolpersteine vor Bärbels Nebenhaus, Steinstraße 4. Davon gibt es sehr viele in Steglitz.

 

 

Die Spiegelwand würde auch zur Schloßstraße, weiter oben, gehören. Ich lasse sie aber hier, wegen des Zusammenhangs, stehen.


Adele Bentheim war 80 Jahre alt, als sie deportiert und ermordet wurde. Schon das alleine ist keineswegs ein Vogelschiss in der Geschichte, wie Gauland über Hitler und das 3. Reich sagte.


Das ehemalige SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt, Unter den Eichen 135, unmittelbar am Ende der Schloßstraße. Hier wurde noch der allerletzte Besitz der Juden aus allen KZs verwaltet und verhökert. Ihre Haare und Goldzähne.


Seitdem das Schweröl-Kraftwerk am Barnackufer (1972) in Lichterfelde in Betrieb ist, habe ich Ruß auf meinem Fensterbrett. Inzwischen hat man auf Erdgas umgestellt, jetzt ist es der Autoverkehr in der Bergstraße. Dieses Bild ist von meinem Sechzigsten, einer wunderbaren Feier, und erinnert an ein Plattencover von Pink Floyd. Oskar Barnack ist übrigens der Konstrukteur der Ur-Leica, so passt es besonders gut auf meine Homepage. Das Bild ist mit einer Leica M8, einem Ur-Urenkel von Barnack's Leica, von Bärbel aufgenommen. Wenn er gewusst hätte, was später so geht, wäre selbst diesem genialen Tüftler schwummrig geworden.



Frei nach dem Motto, der Rohbau ist fertig, was soll jetzt für ein Stil dran, baute Gustav Lilienthal seine vielen Burgen in Lichterfelde. Gustav Lilienthal ist der Bruder und Mitstreiter des Flugpioniers Otto Lilienthal.



Das Lilienthal-Denkmal im Bäkepark am Teltowkanal, 2019, man beachte das Wort "Fliegekunst", 2019


S-Bahnhof Lichterfelde West, ein schöner Bahnhof der Wannsee-Bahn. Links vom Bahnhof war bis 1993 das amerikanische RTO (Railroad Transport Office), mit dem die Berliner Garnison ihr Personal und Material durch die sowjetische Besatzungszone, über die britische Besatzungszone in die amerikanische Besatzungszone brachte. Drei bis vier Grundstücke weiter links residiert heute noch der Geheimdienst, die amerikanische Geisterbahn.


Die Hauptkadettenanstalt in Lichterfelde war die größte Offiziers-Nachwuchs-Schule Preußens und Deutschlands. Alles was beim Militär des Deutschen Reichs Rang und Namen hatte, ist dort zur Schule gegangen. Die alten Gebäude sind größtenteils nicht mehr erhalten. Die Nazis haben sie zu einer Kaserne für die SS-Leibstandarte "Adolf Hitler" umgebaut. Bei den letzten freien Wahlen vor dem Dritten Reich hatte die NSDAP in der Umgebung der Kadettenanstalt eines der besten Ergebnisse im gesamten Reich. Während der Besatzungszeit war sie eine amerikanische Kaserne. Inzwischen ist in der Kadettenanstalt das Bundesarchiv untergebracht.


Unsere   Albrechtstraße   ist   kaum  noch   wiederzuerkennen.   7 Nagelstudios,  2 Spielhöllen, 1 Wettbüro,  2 Vapor-Shops,  1 Späti mit mit schlampigem DPD-Depot, 1 Tattoo-Studio, 1 Head-Shop (Wasserpfeifen und Zubehör) und 1 Shisha-Bar auf weniger als 1 km. All das, was wir nicht brauchen und nach Geldwäsche riecht. Warum merke nur ich das und nicht unser Bezirksamt? Vielleicht, weil es in Zehlendorf sitzt, s. o.? Der ehemalige Kiez ist damit kaputt. Was ist wirklich noch übrig? Drei alteingesessene Geschäfte, ein Lampen-Laden, die Neuland-Fleischerei und der Haushaltswarenladen Arncken. Dann noch, wesentlich neuer, Aldi, Edeka, Getränke Hoffmann, ein Weinladen, ein Tapeten-Laden und ein schöner türkischer Supermarkt. Das war's dann auch schon und nur wenig mehr als die Nagelstudios. Natürlich gibt es noch ein paar mehr Läden, ich schreibe hier mehr von den auffälligen.

In der Plantagenstraße hatte Johann Adolf Heese 1845 seine Maulbeerbaum-Plantage zur Seidenraupenzucht angelegt. Die Seidenraupen wurden illegal von einer chinesischen Prinzessin aus China herausgeschmuggelt. Leider ist auch dieses schöne Haus von "Künstlern" beschmiert. Die Hände sollen ihnen abfallen. Bilder im Zuge der Albrechtstraße, vom Rathaus aus:

 

 

 


Das erste Steglitzer Hochhaus wurde 1966 bis 1968 an der Ecke Albrechtstraße / Steglitzer Damm und am Stadtpark gebaut. Die Albrechtstraße bekam dadurch einen Schlenker, sonst wäre sie unten durch das Haus verlaufen. Ursprünglich hieß es bei uns der "Weiße Riese", die orange-rote Verkleidung wurde erst später angebracht. Im Erdgeschoss gab es eine der ersten Pizzerien in Steglitz, die inzwischen geschlossen ist. Rechts im Bild sieht man die Lankwitzer Dreifaltigkeits-Kirche. Das Bild wurde vom Turm der Hermann-Ehlers-Schule aufgenommen.



In der Nähe des Edenkobener Steges, am Ende der Albrechtstraße, wohnte ich während meiner ersten 7 Lebensjahre im sogenannten Millionen-Block. Auch darüber gibt es Historisches zu berichten. Vor Jahren gab es eine Ausstellung des Steglitzer Heimatvereins über jüdisches Leben in Steglitz. Dort wurde über den Rauswurf einer jüdischen Familie aus ihrer Wohnung und dem Einzug eines deutschen Militärs berichtet. Der rechnete, wenn ich mich recht an die Worte erinnere, die Entseuchung der Wohnung ab. Das war in meinem Haus-Aufgang.

Die Laternen des Edenkobener Steges über den Teltowkanal, 2019

 

 


Klaus vor der Albrechtstraße 59a, links zur Einschulung 1958, rechts im September 2013, kurz nach meiner Lungenoperation.


Die Villa der Musikschule in der Grabertstraße 4. Martin Grabert war Kirchenmusiker in Steglitz und ist der Großvater meines langjährigen Freundes Achim.


Auf der entgegengesetzten Seite der Grabertstraße liegt der Hambuttenpfuhl in einem kleinen Wäldchen. Früher stand am Rand des kleinen Sees das Paresü, Parkrestaurant Südende. Dort konnte man sich sogar Ruderboote leihen. Das war allerdings weit vor meiner Zeit. Heute steht stattdessen dort ein Lidl-Markt.


Die Lukas-Kirche steht bei mir um die Ecke. Dort bin ich 1966 konfirmiert worden. Das  seltene Foto zeigt die  Kirche im Winter 2010. Ich  hatte 2010/11  das  einzige  Mal eine  Monatskarte,  in  den 34 Jahren bei der Flugsicherung. Und, das für 3 Monate. Am 15. März war es dann vorbei. Sonst bin ich immer mit dem Rad gefahren oder, bei aussichtslosem Wetter, mit Einzelfahrscheinen. Am 9. November 2011, mit meinem Ruhestand war es dann richtig vorbei. Jetzt fahre ich nur noch aus Spaß an der Freude Rad.


Der große Turm links von der Lukas-Kirche ist vom Rathaus Friedenau, der große Turm rechts ist vom Rathaus Schöneberg (wo Kennedy 1963 sich zum  Berliner machte).


Passend zu meiner Steglitzer Fotoserie feiert die Lukas-Kirche ihre hundertjährige Fertigstellung. Man konnte auf den Turm steigen. Das Wetter hätte etwas besser sein können. Aber wann kommt man schon dort oben rauf? Ein Bild mit einen 200 mm Teleobjektiv. Durch den etwas kleineren Sensor in meiner Kamera, wirkt es wie 300 mm Brennweite. Dadurch ist diese ungewöhnliche Perspektive entstanden.


Man sieht auch noch auf diesem Bild, wie grün unser Bezirk und Berlin eigentlich ist.



Unmittelbar neben der Markus-Kirche wohnten meine Großeltern bis zur Bombennacht am 23./24. August 1943 in der Karl-Stieler Straße 8. Damals brannte das Haus und auch die Kirche aus. Mein Großvater war Luftschutzwart und half beim Löschen der Kirche und seines Hauses. Er hatte vorgesorgt, denn er kaufte am Anfang des Krieges ein Haus mit Grundstück in Rangsdorf, in dem meine Tante Ilse und ihr Mann wohnten. So konnte meine Familie vor die zerstörte Stadt ziehen.

Mein halbes Haus und Grundstück, Gedanken zur Wende ►

Ein Tuchgroßhändler als Luftschutzwart? Mein Großvater war immer technisch begabt, das habe ich wohl von ihm geerbt. Nicht umsonst war er im Ersten Weltkrieg Soldat bei den Pionieren oder er hat dort alles gelernt. So baute er auch einen Erdbunker in Tante Röschens Garten. Zumindest gibt es ein Bild davon und ich gehe davon aus, dass Hermann diesen gebaut hatte. Das ganze erinnerte mich stark an die Schützengräben in Verdun. Mein Großvater war aber nie an der Westfront. Schützengräben wird es jedoch überall gegeben haben.



Auszug aus meinen Kindheitserinnerungen, rund um den Lauenburger Platz. Ich wurde Ostern 1958 in die Markus-Schule eingeschult und  kurz danach in die Sachsenwald-Schule umgeschult. Eine problematische Schule, da sie im direkten Einzugsbereich der Jeverstraße, einer großen DDR-Flüchtlingssiedlung, lag. Viele Flüchtlinge kamen weder im Osten noch im Westen klar.  In der Schule mussten Kleidung und Schultaschen weggeschlossen werden, sonst wären sie geklaut worden. Die Umgebung der Sachsenwald-Schule war eigentlich, durch das Bandenunwesen der Flüchtlingskinder, für mich eine No-go-Area. So war der Spielplatz auf dem Lauenburger Platz für Nicht-Flüchtlingskinder ein Tabu. Ein spastisch behinderter Junge, Ulli, aus der Jeverstraße ist auch in meiner Gegend wohnen geblieben. Wir haben oft über die alten Zeiten gesprochen, es war nichts von den damaligen Gegensätzen übrig. Wir konnten herzlich darüber lachen. Vor gut 3 Jahren ist er verschwunden. Ich gehe davon aus, dass er in ein Pflegeheim gekommen ist. Ergänzung: Nein, 2015 habe ich ihn noch einmal wieder getroffen. Er saß aber im Rollstuhl. Irgend etwas war noch dazu gekommen.

 


Der Lauenburger Platz ist vor einigen Jahren nach dem historischen Vorbild umgestaltet worden. Er ist sehr schön geworden.




Das Albert-Schweitzer-Heim, am Rand des Stadtparks wurde, am 31. August 1949 eingeweiht. Zusammen mit dem Karl-Fischer-Heim sind es die beiden Jugendheime in Steglitz. Früher gab es noch das Flemming-Heim.


Meine Schulen zwischen 1960 und 1968, auf einen Blick. Links die Freiherr-von-Hünefeld-Grundschule, rechts die  Friedrich-Bayer-Oberschule (Technischer Zweig). Die Orte meines kleinen Schul-Martyriums. Der moderne Teil in der Mitte ist später eingefügt worden und war früher der Durchgang zum Schulhof. Die beiden Schulen sind inzwischen zu einer Schule zusammengelegt worden (Helene-Lange-Schule, Integrierte Sekundarschule). In die damalige Grundschule sind Bärbel und ich zusammen gegangen, sogar in zwei Klassenräumen nebeneinander (die 7, eigentlich 8 Fenster, ganz unten links). Aufeinander aufmerksam wurden wir allerdings erst 5 1/2 Jahre nach meiner Beendigung der Grundschule.






Spaziergang mit unserem Freund Ulli am Steglitzer Fichtenberg.

 

 


 

Jugendwohnheim Kruppstraße ►



 



Unser Freund Wolfram machte mich auf die Geschichte des Rittberg-Krankenhauses in Lichterfelde aufmerksam. Das Krankenhaus ist inzwischen geschlossen und jetzt eine Verwaltung und Schulungsstätte des Roten Kreuzes. Hinter dem Hauptgebäude befindet sich eine kleine Gedenkstätte für Leute, die in der Endphase des Dritten Reichs getötet wurden. Sie sind während des Angriffs der sowjetischen Befreier, Ende April 1945, umgekommen. Ich benutze hier sehr bewusst das Wort Befreier, weil ich sie dafür halte. Trotzdem ist Schlimmes passiert. Ja, das Krankenhaus wurde angegriffen. Es sind überwiegend Mitarbeiter oder Patienten  des Krankenhauses, die dabei umgekommen sind. Der Chefarzt Kurt von Stuckrad, seine Frau und deren zwei Töchter haben allerdings Selbstmord begangen. Was für ein trauriger Wahnsinn. Sie fielen der Suizid-Epidemie der Endzeit der Nazi-Diktatur zum Opfer. 38 Säuglinge sind auch unter den hier Begrabenen. Sie sollen durch Mangelernährung umgekommen sein. Die Mutter von Wolfram war Säuglings-Schwester in dem Krankenhaus, zwischen 1943 und 1945. Sie wusste zu berichten, dass die sowjetischen Eroberer die Säuglinge umgebracht hatten und sie teilweise aus den Fenstern geworfen hatten. Das war am 26. April 1945. Es wird heute verschwiegen, weil man die Geschichte der siegreichen Armee lieber anders erzählt. Ich habe deshalb, zur Klärung, den Steglitzer Heimatverein angeschrieben. Leider bisher ohne Antwort.

 




Das Fischrestaurant Anfora in der Siemensstraße ist voriges Jahr im Mai abgebrannt. Brandstiftung? Fischrestaurant, dort war ich natürlich nie zum Essen.


Solche Feldsteinkirchen gibt es in vielen Randbezirken Berlins. Dort habe ich zu Weihnachten 1963 oder 1964 vor dem Stimmbruch mit dem Schulchor gesungen.

 



Wenn mir noch etwas ein- oder auffällt, wird diese Serie fortgesetzt.